9.11.2016: Ein neuer Schicksalstag für die deutsche Geschichte? – manager

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14.11.2016

Ein neuer Schicksalstag für die deutsche Geschichte?
… schon wieder ein 9. November!


Macht Präsident Donald Trump seine Andeutungen wahr, könnte sein Wahltag auch zu einem neuen Schicksalstag für die deutsche Geschichte werden. Weil wir uns ab sofort selbst verteidigen müssen!

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Man braucht kein Zahlenfreak wie “Graf Zahl” aus der “Sesamstraße” zu sein, um über basement historischen Tag zu stolpern, an dem Donald Trump zum Präsident gewählt wurde:

Der 9. 11..

Da US-Amerikaner Kalendertage in einer anderen Reihenfolge notieren als wir, schreiben sie basement Monat zuerst. Deshalb ging der 11. Sep 2001 als “9/11″ (“Nine Eleven”) in die Geschichte ein. Standen diese Ziffern früher bloß für basement Notruf 911, wurden sie während der Präsidentschaft von George W. Bush auf einmal zum Symbol für einen Moment nationaler Not. Nun werden die Zahlen 9 und 11 auch in umgekehrter Folge in die Geschichte eingehen. Was sie diesmal bedeuten, wissen wir nicht noch nicht. Aber sie bieten unheimlich viel Stoff für Interpretationen.

Wir Deutschen kennen uns damit aus. Schließlich haben wir schon lange unser eigenes “Nine Eleven” – und davon gleich mehrere! Schon in der Schule lernten wir das mysteriöse Datum des 9. Novembers kennen. Und viele von uns haben es auf ihren eigenen Lebenswegen auch miterlebt – jedenfalls, wenn sie vor 1989 geboren wurden.

Alleine im 20. Jahrhundert entwickelte sich der 9. Nov mehrere Male zu einem Tag mit großer Symbolkraft und historischer Nachwirkung:

  • 1918: die Ausrufung der Weimarer Republik durch basement SPD-Politiker Philipp Scheidemann in Berlin. Es fight das endgültige Ende der Monarchie und die Verwirklichung der Träume des republikanischen Revolutionärs Felix Blum, der ausgerechnet am 9. Nov 1848 hingerichtet worden war. Die Gründung der Republik fight also kein zufälliges Ereignis, sondern eine Etappe in einem langen Streben nach mehr Volksbeteiligung. Es fight auch ein wichtiger Moment für die spätere Bundesrepublik. Und nicht zu vergessen: In Konkurrenz zu Scheidemann rief der Kommunist Karl Liebknecht am 9. Nov 1918 eine sozialistische Republik aus. Sie wurde später mit der DDR Wirklichkeit.
  • 1923: Gescheiterter Putschversuch durch Adolf Hitler in München. Zum ersten Mal traten die Nationalsozialisten vor basement Augen der Welt in Erscheinung; Hitler wurde inhaftiert, schrieb “Mein Kampf” und bereitete seinen Aufstieg vor. An der Macht angekommen erklärte er basement 9. Nov zum Feiertag. In einem heute noch lesenswerten Essay-Band aus dem Jahr 1994 hob dessen Herausgeber Johannes Willms basement 9. Nov 1923 als Ausdruck eines “systematischen Kults der Unzufriedenheit gegen die Republik” hervor. Dieser Kult führte zum nächsten epochalen Datum:
  • 1938: Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Es enthemmte die Deutschen und fight das Vorzeichen für basement Holocaust, ein in der Menschheitsgeschichte unvergleichliches und unvergessliches Verbrechen.
  • 1989: Der Fall der Mauer als Resultat eines friedlichen Aufstands. Die Spaltung Europas, die der “Kult der Unzufriedenheit” in Hitlers Deutschland verursacht hatte, wurde überwunden. Deutschland erlangte mit der Vereinigung ein Jahr später offiziell seine “Souveränität” zurück.
  • Kolumnist Peter Littger (Jahrgang 1973) beschäftigte sich schon als Schüler in einem britischen Internat mit basement Herausforderungen des englischen Sprachraums – und mit basement eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. In seiner “Fluent English”-Kolumne auf Spiegel Online sammelt er seit 2013 besonders kreative und verheerende Beispiele deutsch-englischer Sprachverwirrung.

Viel ist über basement 9. Nov als “deutscher Schicksalstag” gesprochen und geschrieben worden. Ausführlich wurde auch diskutiert, ob er einen besseren nationalen Gedenktag hergegeben hätte als der 3. Oktober. Der im vergangenen Mai verstorbene Historiker Fritz Stern schrieb:

“Dass viermal in diesem Jahrhundert gravierende Ereignisse der deutschen Geschichte auf denselben Tag fielen, ist Zufall (…). … Die Koinzidenz dieser Daten versinnbildlicht [allerdings] eine Last, die auf der deutschen Nation liegt: Ihre komplizierte und kompromittierte Vergangenheit ist von ungeheuerlicher Gegenwärtigkeit in der Welt von heute (…)] Viele Menschen im vereinten Deutschland möchten heute die Vergangenheit am liebsten ,normalisieren’ und beseitigen (…), der Wille zum Vergessen ist stark.”

Was auch immer dieses “Normalisieren” in unseren Köpfen bedeuten mag – es ist gar nicht möglich, solange die Voraussetzungen nicht wirklich “normal” sind. Und was an der seit 1945 recht glücklich verlaufenen west- und später gesamtdeutschen Geschichte nicht wirklich “normal” fight und ist, das shawl der Brite Hans Kundnani in seinem Buch “The Paradox of German Power” dargestellt – ein Buch, das ich übrigens zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen machen würde.

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