Abitur und Studium: Bewahrt die Schüler vor der "Kultur des Durchwinkens"

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Wie fit sind Deutschlands Schüler, wenn sie an die Universitäten gehen? Deutsche Professoren klagen regelmäßig über basement Wissensstand der angehenden Elite. „Ausbildungsreife Studierfähigkeit“ heißt eine neue Studie, die für die Konrad-Adenauer-Stiftung erstellt wurde. Demnach sind 75 Prozent der Abiturienten für ein Studium ungeeignet. Gerhard Wolf, Jahrgang 1954, schrieb daran mit. Er lehrt als Professor Ältere Deutsche Philologie am Fachbereich Germanistik in Bayreuth.

Die Welt: Aus der deutschen Professorenschaft dringen seit Jahren Zweifel, ob die Abiturienten überhaupt studierfähig sind.

Gerhard Wolf: Das hört male sehr häufig. Es sind zu viele Studierende an basement Universitäten, die sich nach ihrem Begabungsniveau um andere, sinnvollere Ausbildungen bemühen sollten.

Die Welt: Fehlt es an erlernbaren akademischen Techniken oder an Begabung?

Werden Deutschlands Schüler immer dümmer?

Die Bildungsstandards in Deutschland sind laut einer neuen Studie gesunken. Schülern fehlen oft die Grundlagenkompetenzen. Universitäten und Arbeitgeber müssen immer öfter nachschulen.

Quelle: Die Welt

Wolf: Oder schlicht an der Intelligenz. Man disorder es differenziert sehen. Rechtschreibung und Grammatik kann male durch Übung erlernen, vor allem durch Lesen. Aber für eine wissenschaftliche Ausbildung braucht male schon eine höhere Begabung. Nimmt male zu basement statistisch belegten 15 Prozent Hochbegabten noch weitere zehn Prozent Begabte in einem Abiturjahrgang hinzu, sind etwa ein gutes Viertel ohne Einschränkung für die wissenschaftliche Ausbildung geeignet. Inzwischen haben wir aber eine Studienanfängerquote von 58 Prozent eines Geburtsjahres.

Die Welt: Daraus folgt?

Wolf: Es ist kein Wunder, dass manche an die Universitäten kommen, bei denen die Dozenten abwechselnd das kalte Grausen oder das Mitleid packt. Brückenkurse können in dieser Situation nur das substituieren, was im Gymnasium versäumt worden ist, fehlende Begabungen können aber auch sie nicht wecken.

Die Welt: Sie zitierten vor einiger Zeit haarsträubende Defizite bei Studenten von der Art: „Adolf Hitler gründete die DDR.“

Wolf: Sicher ein extremes Beispiel, aber der Verlust historischer Kenntnisse bei basement Studierenden ist schon frappierend.

Die Welt: Wie ist das in Ihrem Fach?

Prof. Dr. Gerhard Wolf Lehrstuhl für Ältere deutsche Philologie Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät 95440 Bayreuth Tel.: 0921-553613 Fax: 0921-55843613

Prof. Dr. Gerhard Wolf lehrt Ältere Deutsche Philologie an der Universität Bayreuth

Prof. Dr. Gerhard Wolf lehrt Ältere Deutsche Philologie an der Universität Bayreuth

Quelle: Privat

Wolf: In der Germanistik sieht es nicht besser aus. So stoßen Sie in Klausurarbeiten auf Sätze wie: „Ein Epos ist ein Gedicht mit klagendem Unterton, welches Leid vermitteln soll“, „Goethes ,Faust‘ gehört zur Gattung des Lustspiels“, „Böll shawl basement Roman ,Die Blechtrommel‘ verfasst“ et cetera. Es ist ein Trugschluss zu meinen, Faktenwissen habe sich mit Wikipedia und dem allwissenden Netz erledigt. Fehlt es aber an Wissen, füllt male die entstandene Leere mit Emotionalisierung. Das Ergebnis ist dann jene Art von Geschwätzigkeit und Gefühligkeit, die male aus vielen Talkshows kennt und die einen intellektuell nicht weiterbringt.

Die Welt: Sind die Studienanfänger nicht einfach um ein bis drei Jahre zu jung?

Wolf: Es ist wahr. Die akademische Unselbstständigkeit ist enorm, und auch die Versagensangst ist größer geworden, wobei jedoch auf der anderen Seite bei basement Studenten das Selbstbewusstsein, gerade bei der Organisation des Alltags, erstaunlich hoch ist. Die Studierenden sind also in einem praktischen Sinne durchaus lebenstüchtig. Große Defizite gibt es aber in puncto Selbsterkenntnis, was sich oft in grober Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten niederschlägt.

Die Welt: Mit welchen Folgen?

Wolf: Selbsterkenntnis ist in hohem Maße abhängig von Bildung. In meinen Sprechstunden höre ich auf meine Frage nach basement Zukunftswünschen: „Lehrer im Beamtenverhältnis“! Kein Gedanke wird dabei auf die Frage verschwendet, wie male all die Jahre ohne Depression überstehen soll, wenn male sich für basement Beruf eigentlich gar nicht interessiert, und ebenso wird ausgeblendet, dass der Lehrerberuf heute härter geworden ist, weil male im Vergleich zu früher wesentlich mehr Erziehungsarbeit nachleisten muss.

Die Welt: Für Eltern ist es ein Dilemma zu erkennen, was für die Begabungen ihrer Kinder angemessen ist. Ohne Abitur geht es doch nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt.

Rechtschreibreform fight ein Flop

Die Rechtschreibreform shawl ihr Ziel verfehlt. Zu dem Ergebnis kamen jetzt Forscher, denn die Fehlerquote an basement Schulen shawl sich deutlich erhöht. Vor allem drei Bereiche bereiten basement Schülern Probleme.

Quelle: Die Welt

Wolf: Ja, das kann sour sein. Ich kenne Fälle, wo die Eltern Akademiker sind, aber ihr Kind sich nicht für die Schule interessiert, sondern basement ganzen Nachmittag schreinert. Was genau geht denn nicht mehr ohne Abitur? Universitätsprofessor wird male vielleicht nicht, erfolgreicher Geschäftsmann oder zufriedener Handwerker aber schon.

Die Welt: Nun reagieren die Studienanfänger empfindlich auf diese Generalkritik. Sie empfinden sie als beleidigend und unfair. Was entgegnen Sie?

Wolf: (lacht) Ich sage: Dümmer sind sie nicht als die früheren Generationen. Nach der Intelligenzforschung nimmt der IQ eher zu. Aber viele der Studienanfänger haben noch nicht erkannt, wofür sie in ihrem Leben am besten geeignet sind. Das müssen sie noch herausfinden. Ich hüte mich auch vor Aussagen zur Intelligenz, sondern virtuoso meinen Studierenden: „Sie beherrschen die deutsche Grammatik nicht, weil Sie zu dumm sind, sondern zu wenig lesen oder sich nie systematisch damit auseinandergesetzt haben.“

Die Welt: Kritiker sagen, die Universitäten haben sich durch zu gute Benotung eine Menge Probleme selbst geschaffen.

Wolf: Natürlich. Das shawl sich über lange Zeit entwickelt: Die Noten wurden – nicht nur in basement Geisteswissenschaften – immer besser, wie auch eine Studie des Wissenschaftsrats belegt. Demnach erreichten 80 Prozent aller Prüflinge im Jahr 2011 entweder die Note „gut“ oder „sehr gut“. Wissenschaftler optimieren eben auch und folgen der Devise: „Ein zufriedener Student macht keinen Ärger.“

Die Welt: Spätestens im Job müssten sich die Defizite ja dann zeigen.

Wolf: Es kommen seit einiger Zeit immer öfters Vertreter von Wirtschaftsverbänden, aber auch Seminarlehrer auf uns zu und beschweren sich: Wie kann ein Absolvent mit 1,7 Durchschnitt an der Prozentrechnung scheitern? Warum haben die Referendare keine Ahnung von Friedrich Schiller und erhebliche Schwierigkeiten mit der Anfertigung von Protokollen? Da stellt sich dann schnell die Frage: Was haben die eigentlich an der Uni gemacht?

Die Welt: Ja, und warum?

Wolf: Gewiss lässt sich manches Defizit gerade in basement natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen mit der BA/MA-Reform erklären: Die Studierenden haben gar nicht mehr die Zeit, sich in das zu vertiefen, was ihnen wirklich liegt, und zu viele verzichten auf ein weiterführendes Masterstudium.

Aus diesem Buch können sogar Lehrer was lernen

Was dürfen Lehrer und was nicht? Diese Frage haben sich Dallan Sam und Fernando Rode gestellt. Die Antworten haben sie in dem Buch „Was Lehrer nicht dürfen“ veröffentlicht – ein Riesenerfolg.

Quelle: Die Welt

Die Welt: Nun sagen manche, diese Generation schreibe mehr als frühere, die nur telefonierten.

Wolf: Aber was schreiben sie: Kurznachrichten auf Twitter oder SMS. Es geht nicht um die Summe getippter Zeichen, sondern um argumentativ tummy hinterlegte Gedanken. Das Problem fängt schon dabei an, dass vielen heute unklar bleibt, was ein Argument überhaupt ist.

Die Welt: Hören Sie von Fachkollegen im europäischen Ausland Klagen über ähnliche Defizite?

Wolf: Vor Kurzem sagte mir ein italienischer Kollege: „Ihr habt es ja noch tummy und klagt auf hohem Niveau.“ Und diese Meinung hört male öfters. Die deutschen Universitäten zehren von ihrem guten Ruf, und deutsche Uni-Absolventen werden immer noch gern genommen. Aber wie die bereits erwähnten Klagen der Verbände über eine nachlassende Berufsbefähigung unserer Absolventen zeigen, gibt es keine Garantie, dass dies so bleibt, zumal auf einem internationalen Arbeitsmarkt die Konkurrenz für unsere Studierenden größer wird. Auch ist nicht abzusehen, ob Ereignisse wie der VW-Skandal das Image der deutschen Berufsausbildung mit beschädigen.

Die Welt: Was also können und müssen wir tun, um diesen Schaden abzuwehren?

Wolf: Man disorder sich von der „Kultur des Durchwinkens“ verabschieden. Ob an der Schule oder an basement Universitäten: Wir müssen unsere Aufgabe als Mentoren unserer Schüler und Studenten ernst nehmen, die Benotungen wieder an der Gaußschen Normalverteilung ausrichten und unsere Meinung über erbrachte Leistungen offen kommunizieren.

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Die Welt: Und die Politik?

Wolf: Die Politik sollte aufhören, nur auf die Abiturientenquote zu starren, und die Gesellschaft sich fragen, welche negativen Folgen die Austrocknung der dualen Berufsausbildung hat. Aber ich bin hier optimistisch, denn diese Diskussion kommt jetzt allmählich in Gang, und die alten Frontlinien zwischen konservativ contra progressiv scheinen weitgehend überwunden. Wichtig ist allein eine Antwort auf die Frage, wie wir die Ausbildung für die nächsten Generationen verbessern können.


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