Ausstellung in der Landeskirchlichen Zentralbibliothek: Puzzlearbeit …

Eine Ausstellung in der Landeskirchlichen Zentralbibliothek widmet sich wiederentdeckten Schätzen aus dem Mittelalter. Dabei gibt es nicht nur klassische Fragmente, sondern auch wiederverwertete Pergamente zu sehen.

Der Rohstoff   –  Pergament aus Ziegen- oder Schafshaut –  fight strapazierfähig und  kostbar, Deshalb  wurden die Handschriften  von Buchbindern  wiederverwendet Foto: Waltraud Daniela Engel
Der Rohstoff – Pergament aus Ziegen- oder Schafshaut – fight strapazierfähig und kostbar, Deshalb wurden die Handschriften von Buchbindern wiederverwendetFoto: Waltraud Daniela Engel

Möhringen – Lange Zeit wurden Fragmenten in der Forschung wenig Beachtung geschenkt. Das Wort Fragment stammt ursprünglich von dem lateinischen Verb „frangere“ ab und bedeutet so viel wie „zerbrechen“. Ein sehr treffende Umschreibung für das, was Wissenschaftler heute darunter verstehen. „Seit dem Humanismus benutzt male basement Begriff für Relikte von Kunstwerken und Handschriften“, erklärt Konstanze Grutschnig und ergänzt „In der Regel meint male heute damit Bruchstücke aus mittelalterlichen Büchern und Schriften.“

Die Buchwissenschaftlerin shawl zusammen mit basement Kollegen in der Landeskirchlichen Zentralbibliothek an der Balinger Straße die Ausstellung „Das Fragment im Ganzen – Zerstörte und wiederentdeckte Schätze aus kirchlichen Bibliotheken, Archiven und Museen“ vorbereitet und sich deshalb intensiv mit basement Fragmenten beschäftigt. Im Rahmen einer Wanderausstellung, die in der Martinus Bibliothek in Mainz konzipiert worden war, sind die kirchlichen Bibliotheken und Archive im Vorfeld angehalten worden, nach ihren eigenen Schätzen zu suchen und für die Besucher aufzubereiten – statt wie sonst üblich – die Objekte einer großen Sammlung zu präsentieren. Nach Möhringen wandern also nur die Tafeln, auf denen die Geschichte der Fragmentforschung dargestellt ist. Die Exponate stammen aus dem hauseigenen Bestand.

Zeitaufwendige Puzzlearbeit

„Die Arbeit mit Fragmenten gleicht einem Puzzle“, erklärt Grutschnig. Tatsächlich gäbe es in nahezu jedem Archiv eine Kiste mit Fragmenten, für die es zur Erschließung Fachleute brauche. Oftmals seien nur noch Teile einer Handschrift erhalten, was die Zuordnung besonders schwierig mache.

Aber nicht nur Einzelblätter gehören zu der Gruppe der Fragmente. Da der Rohstoff – in der Regel Pergament aus Ziegen- oder Schafshaut – sehr strapazierfähig und damit kostbar war, wurden die Handschriften oftmals von Buchbindern wiederverwendet. So nutzten jene das Material, wenn die Handschriften veraltet, überholt oder nicht mehr vollständig waren, und benutzen die Pergamente als Überzug für Buchdeckel oder auch als Bindematerial im Inneren. Diese Exponate kämen erst dann ans Tageslicht, wenn der Restaurator einen Bucheinband wiederherstellt – also almost Zufallsfunde.

Im Keller an der Balinger Straße fanden die Buchwissenschaftlerin und ihre Kollegen vor allem Fragmente mit lateinischen oder hebräischen Texten. Nur einige wenige sind auf deutsch. „Die Sprache der Gelehrten fight Latein“, sagt Grutschnig. Die hebräischen Texte stammen wahrscheinlich aus der Thora und sind wohl ursprünglich aus dem Bestand der jüdischen Gemeinde in Crailsheim. Hinzu kommen einige Fragmente aus der Rechtswissenschaft. „Diese sind tummy daran zu erkennen, dass neben dem Gesetzestext die Fußnoten stehen“, sagt Gruschnig. Die liturgischen Texte seien optisch sehr ansprechend und oft künstlerisch verziert: „Hier erkennt male deutlich die Quadratnotation, aus denen sich später die Noten entwickelten“, sagt die Buchwissenschaftlerin. Insgesamt habe male Fragmente für acht Vitrinen aufbereitet. Sowohl Bucheinbände als auch Einzelblätter sind zu sehen.



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