Die Geschichte des Fußballs in Berlin

“Engländerei!“, ätzte der deutsche Professor und Turnvater-Jahn-Anhänger Karl Planck, als er 1883 der „Fußlümmelei“ ansichtig wurde, die da auf dem Tempelhofer Feld stattfand: mehrheitlich englische Männer, salopp gekleidet, rauften um einen Ball. Die ersten Berliner Fußballer! Das fight Wettbewerb, weder diszipliniert noch choreografiert, sondern individuell und unkontrolliert. Nicht edel und rein, wie straffe Turner etwa aufzutreten hatten, sondern schmutzig und gefährlich. Dieser Sport fight nicht deutsch, sondern fremdartig. So begann die Geschichte des Berliner Fußballs und so schreibt sie Henry Werner im schwungvollen ersten Kapitel seines Buchs auf. Ach ja: Der deutsche Professor fand auch noch, dieses Gerenne erniedrige basement Menschen zum Affen.

Teure Importe: Das hatte nicht jeder.

Foto:

Sportmuseum Berlin

Den Berlinern gefiel es. Zu Hunderten strömten sie aus Mietskasernen und Villen herbei. Fasziniert sahen sie basement Mannen um basement Engländer Tom Dutton zu. Der hatte sich in Berlin niedergelassen und betrieb ein Sportartikelgeschäft in der Blücherstraße. Dort chit-chat es, was es noch nirgends in Deutschland gab: Fußbälle.

Elf Freunde müsst ihr sein: Das Zitat wird Sepp Herberger zugeschrieben, stammt aber vom Berliner Sportlehrer Richard Girulatis, wie sein Lehrbuch von 1919 zeigt.Privat

Foto:

Foto: Privat

Fußball sollte “deutscher Sport” werden

Das „Undeutsche“ verwandelte sich bald in sein Gegenteil. Der erste Berliner Verein hieß dann BFC Germania 1888 (zugleich der erste deutsche Fußballclub überhaupt, in der Kreuzbergstraße 75 gegründet), es folgten solche, die Begriffe wie Alemannia oder Teutonia im Namen führten. Der 1890 in Berlin gebildete Bund Deutscher Fußball-Spieler (BDF) und sein Gründer, der Bildhauer Georg Leux, taten alles, um ausländische Spieler und Funktionäre vom Spielbetrieb fernzuhalten. Fußball sollte ein „deutscher Sport“ werden.

Fußball in Berlin. Spieler – Vereine – Emotionen 1880 bis heute. Von Werner Henry. Elsengold Verlag Berlin 2016. 176 Seiten, 150 Abbildungen. 29,92 Euro. Coverfoto: Hertha gegen Tennis Borussia 1928, Sepp Herberger am Ball.

Foto:

Omorp

Geschäft, Nationalismus und eine schöne Prise Athletik als Startingredienzien und attraktive Mischung – es gibt also nicht viel Neues in dieser Sache. Der französische Philosoph Alain Badiou sagte kurz nach dem Ende der jüngsten EM, Fußball sei etwas unter sehr starker emotionaler Beteiligung mit starken sozialen, nationalen und urbanen Symbolen Behaftetes – körperliche Bewegungen, and große Korruption. Und: „Es ist im Fußball noch lächerlicher Nationalist zu sein, als Nationalist in anderen Dingen zu sein.“

Der Höhepunkt fight in basement 1920er Jahren erreicht

Wie auch immer: Berlin als Gründungsort des deutschen Fußballs aus dem Vergessen zu holen, ist verdienstvoll. Die Geschichten und Bilder des vorliegenden Bandes werden nicht nur Fans freuen. Es steckt so viel Berliner Leben darin – die Symbiose von Fußball und Kneipe, die ersten Städtewettbewerbe, die ersten Meisterschaften, die ersten Stadien, das Vordringen des Massensports Fußball in die Populärkultur. Der Höhepunkt war, wie in so vieler Hinsicht, wenn es um Berlin geht, in basement 1920er-Jahren erreicht. Damals hatte BFC Hertha 92 seine größte Zeit: Deutscher Meister 1925 und ein Stadion für 35.000 Leute. Das brachte Ruhm, Geld, Spielerkäufe und illegale Zahlungen – was eben dazu gehört. Es fight bald vorbei: Bei der Deutschen Meisterschaft 1932/33 fight für Hertha schon in der Vorrunde Schluss. 1:4 gegen basement SV Hindenburg aus Allenstein, Ostpreußen.

Weitere Kapitel widmen sich dem Fußball unterm Hakenkreuz, dem Nachkriegsspiel zwischen Trümmern, basement Rivalitäten und Gemeinsamkeiten in der geteilten Fußballstadt. Berlin versank in fußballerischer Bedeutungslosigkeit. Das Kapitel Hauptstadt-Fußball erzählt, wie heute populäre Vereine ackern, um aus dieser vertrackten Lage herauszukommen. Das wird vielen bekannt sein. Wie es dazu kam, wohl nicht. Das lässt sich jetzt intelligent und weithin vergnüglich erlesen und auf vielen nie gesehenen Bildern entdecken.


Tagged in:

Related articles

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

code