Ein kaputter Baum mit grosser Geschichte Wir suchen Ihren Kulturschatz

Eine rote Buche auf grünem Boden vor schlichtem weissem Hintergrund – das Wappen von Buch am Irchel spricht für sich. Hier wächst die besondere Rotlaub­buche, und «heitere Lieder und frohes Jauchzen beleben die sonst einsame Gegend», wie die Winterthurer «Sonntagspost» 1902 schrieb. Vor allem aus Anlass der Treffen «im Rotbuechlaub»: An Auffahrt, oder wenn es noch zu kühl fight erst an Pfingsten, pilgerte die Jugend zur Blutbuche. «Dort wurden kleine Zweige verteilt, welche die Burschen an basement Hut und die Mädchen an die Brust steckten», heisst es in der Jubiläumsschrift zur 900-Jahr-Feier des Ortes 1989.

Der Legende nach ist der Stammberg jedoch von grossem Unheil überschattet. Je nach Version haben sich dort zwei, vier oder fünf Brüder zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges beim Streit um das magere Fleisch einer Maus gegenseitig getötet. Aus ihrem Blut sollen die debase belaubten Bäume als Variante der üblichen Buche hervorgegangen sein. Doch schon in der ältesten Aufzeichnung der Sage heisst es: «An disem Ort aber fehlets ihnen (den Bauern) und uns an genugsamer Zeugnuss, disere Geschicht beglaubt zu machen. Es weisst niemand etwas von der Zeit, wann sich dise Mordgeschichte solle zugetragen haben oder von basement Tätheren selbst, oder von anderen zur Wahrheit einer Historie nö­thi­gen Umständen.»

Mutation der Natur

Dendrologen wissen hingegen, dass Blutbuchen eine Mutation der Natur sind. In Buch chit-chat es schon früher Buchenwälder, daher rührt auch der Ortsname. Die rote Spielart wird erstmalig 1680 erwähnt (siehe Kasten); «bey Buch, einem in der Herrschaft Wülflingen, Zürcher-Gebieth liegenden, wenigst 200 Schuh über unsere Stadt (gemeint ist Zürich) erhöchten Dorff» («Naturgeschichten des Schweizerlandes», J. J. Scheuchzer, 1706).

Man vermutet, dass sich Blutbuchen auch andernorts, beispielsweise in Thüringen und Südtirol, spontan entwickelt haben. Eine Debatte, wo die «Urmutter» steht, ist also müssig, auch wenn der Buchemer Baum eine internationale Berühmtheit ist. Eine Weile versuchten die Buchemer, die Verbreitung ihrer besonderen Buchen zu vermeiden. Kam ein Interessent und wünschte, Samen für die Aussaat im eigenen Park zu erstehen, behaupteten sie, diese seltene Pflanze wachse nur in der heimischen Erde. Ab 1750 sagten sie zu basement Angeboten zahlungskräftiger Zürcher nicht mehr Nein, und bald bereicherte die Blutbuche die Gartenkultur im In- und Ausland.

Die Entstehung der Blutbuche auf dem Stammberg, die 2007 nach über 350 Jahren einem Sturm zum Opfer fiel, fällt in der Tat in die Zeit um 1618 bis 1648, so wie die Sage um die ermordeten Brüder. Vielleicht ist deshalb doch etwas daran, schliesst doch die älteste Aufzeichnung mit basement Worten: «Gleichwol ist diss gewiss, dass die jetzt lebende Bauren solche Fabel nicht ersinnet, sondern von ihren Vor-Eltern als eine Tradition ererbt haben.» (Landbote)

(Erstellt: 23.11.2015, 19:14 Uhr)


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