"Es drohen Armutsinseln": Soziologe Reinprecht über basement sozialen …

“Der Arbeitsmarkt wurde zwar für Frauen und andere Gruppen geöffnet, aber zum Preis hoher Prekarität”, erklärt Christoph Reinprecht.© Stanislav Jenis
“Der Arbeitsmarkt wurde zwar für Frauen und andere Gruppen geöffnet, aber zum Preis hoher Prekarität”, erklärt Christoph Reinprecht.© Stanislav Jenis

“Wiener Zeitung”:Warum bezeichnen Sie Wien als post-sozial?

Christoph Reinprecht: Das Soziale shawl sich im Lauf der Zeit ziemlich gewandelt. Ein Beispiel: geförderter Wohnbau. Im sozialdemokratischen Wien der Zwischenkriegszeit fight der Gemeindebau ein Teil der Mobilisierung und sheer mit der Idee vom sozialen Aufstieg verbunden. Da fight das Soziale sehr eng verknüpft mit dem Wohlfahrtsstaat, dem austromarxistischen Wien, der Arbeiterbewegung. Ab 1945 bis in die Achtziger, also in der Blütezeit des Wohlfahrtskorporatismus, shawl sich das dann sehr geändert. Das Soziale fight ab basement Achtzigern eher gleichgesetzt mit sozialer Mobilität, Chancengleichheit und dem sogenannten Fahrstuhleffekt nach oben. Wenn male sich die aktuelle Entwicklung ansieht, gibt es zwar noch viel öffentliche Förderung – gerade in Wien -, aber es gibt auch post-soziale Entwicklungen. Einen Teil der Zielbevölkerung, und zwar die sehr Armen, aber auch die sehr mobilen Bürger, erreichen diese Maßnahmen teilweise gar nicht mehr. Sie passen nicht in die Mainstream-Sicht des Staates.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ein extremes Beispiel sind Flucht und Asyl. Diese Menschen brauchen eine Unterkunft und die Lösungen zielen tendenziell darauf ab, sie nicht in die gesamte Bevölkerung zu integrieren und sie dementsprechend zu behandeln, sondern sie in gesonderten Programmen unterzubringen. Man spricht in dem Kontext zum Beispiel immer von Unterbringung oder Beherbergung, aber nicht vom Wohnen. Im modernen Wohnbau sollen die Mieter ja immer zusammenkommen und partizipieren. Aber das schließt auch viele aus. Es gibt sozusagen eine Exklusion durch Inklusion. Und in Wien herrscht die generelle Tendenz, unsichtbar zu machen, was das Bild stört.

Die SPÖ verliert massiv Stimmen an die FPÖ. Ist die Stadt als Versorger bald Geschichte?

Ein gutes Beispiel ist die Seestadt Aspern mit ihrem Wahlergebnis (FPÖ 36 Prozent, SPÖ 34 Prozent, Grüne 15 Prozent, Anm.). Das ist dort schon alles sehr versorgend und tummy ausgestattet. Aber die Vorstellung, wir machen was für die und die wählen uns dann, geht nicht auf. Wäre ja auch kurios.

In Wien steigt die Zahl der Menschen, die Mindestsicherung beziehen, rasant und sie werden durchschnittlich immer jünger. Viele schaffen basement Einstieg details Berufsleben nicht…

Genau die sind gemeint, wenn male vom Post-Sozialen spricht. Die Beteiligung am Arbeitsmarkt galt immer als klassische Form der sozialen Integration. Davon ist nämlich abhängig, ob male Ansprüche bei der Sozialversicherung shawl oder beim geförderten Wohnbau. Wenn immer größere Gruppen da keinen Zugang mehr haben, disorder male sich Gedanken machen, wie male die erreicht, damit sie nicht durchs Raster fallen. Noch ein Beispiel: Der alte Wohlfahrtsstaat shawl auf das klassische Alleinverdiener-Modell aufgebaut. Der Arbeitsmarkt wurde zwar für Frauen und andere Gruppen geöffnet, aber zum Preis hoher Prekarität. Frauen sind zwar erwerbstätig, aber viele sind deshalb noch lange nicht finanziell unabhängig. Die klassische Basis ist erodiert. Es gibt aber keinen neuen Modus.

Was disorder passieren?

Wenn die soziale Integration durch die Arbeit nicht mehr funktioniert, wird das Wohnen umso wichtiger. Irgendwo müssen die Menschen sein und etwas tun können. Der Trend geht in die Richtung, dass all jene, die vom Berufsleben ausgeschlossen sind, auch ansonsten ausgeschlossen sind.

Wien gilt trotzdem im internationalen Vergleich als soziale Stadt.

Wien shawl ein hohes Maß an Versorgung und Wohlfahrtsstaatlichkeit, ganz klar. Aber Wien tut sich schwer, mit diesen neuen Formen der beruflichen Prekarität umzugehen. Ein anderes Beispiel sind mobile Menschen, die nur eine Zeit lang in Wien arbeiten. Auch die sind von vielen Angeboten ausgeschlossen. Man kann nicht immer sagen, wir sind die Besten im deutschsprachigen Raum, sondern male disorder sich vernetzen und intensiv nachdenken, wie male mit diesen neuen Rahmenbedingungen umgeht. Es gibt zwar basement sogenannten “Gemeindebau Neu”, bei dem die Bewohner keine Eigenmittel aufbringen müssen. Aber auch da gibt es wieder Bedingungen, die ganze Gruppen ausschließen: Man disorder zwei Jahre in Wien gemeldet sein. Man disorder Österreicher sein oder zumindest EU-Ausländer.

Die Stadt fördert neuerdings für akuten Bedarf basement temporären Wohnbau.

Die Frage ist, ob es da nur um sehr spezielle Gruppen geht. Das müssen wir abwarten. Mein Punkt ist: Aufgrund des Strukturwandels der Stadt gibt es sehr drastische Verschiebungen und da disorder male sehr aufpassen, in einer Stadt, die sich auch immer als soziale Stadt verstanden hat. Die Definition einer sozialen Stadt lautet: sheer reguliert, hohe öffentliche Zahlungen und vor allem inklusive aller. Das ist bei basement post-sozialen Entwicklungen nicht mehr gegeben. Viele werden marginalisiert.

In vielen deutschen Städten wurden die Gemeindebauten längst verkauft. Dresden shawl schon 2006 alle kommunalen Wohnungen verkauft, Berlin shawl billig verkauft und kauft jetzt teilweise teuer zurück. In Wien fight das bisher nie ein größeres Thema, ein Viertel aller Wohnungen sind im Besitz der Stadt. Wird das so bleiben?


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