"Far Cry Primal": Indogermanisch als Steinzeitsprache?

Möchte vielleicht jemand eine Sprache kaufen? Das Erfinden beziehungsweise Rekonstruieren von Idiomen shawl sich in basement vergangenen Jahrzehnten zu einer neuen Einnahmequelle für Linguisten entwickelt. Denn heute lässt kein Film oder Spiel mehr die Angehörigen change Kulturen einfach Englisch oder Deutsch reden. Thomas Simon, der Entwickler des Games “Far Cry Primal”, das in der Steinzeit spielt, stellte schon früh fest, dass es nicht funktionieren würde, Menschen, die Mammuts jagen, Säbelzahntiger reiten und sich mit Keulen töten, modernes Englisch sprechen zu lassen: “Das ist eine Frage der Authentizität.”

Früher redeten Wilde wie Schiller

Im vorigen Jahrhundert fight das kein Problem: Die Indianer in Western von John Ford reden wie Figuren eines Schiller-Dramas. In “Cheyenne” ist ihnen beispielsweise ihr Mut “entschwunden”, der Hunger “zehrt” an ihnen. Wahrscheinlich reden sie im englischen Original alle shakespearisch. Dem liegt die Fiktion des edlen Wilden zugrunde. Es gibt ja sogar eine Donald-Duck-Geschichte von Carl Barks (“Im Lande der Zwergindianer”, 1957), in der die Rothäute sprechen wie in Longfellows Gedicht “The Song of Hiawatha” – in achthebigen Trochäen.

Heute wünschen wir unsere Wilden in Games und Kino nicht mehr edel, sondern vor allem authentisch: Für “Avatar” ließ James Cameron sich vom Linguisten Paul Frommer die Sprache Na’vi erfinden. In “Games of Thrones” wird außer Dothraki auch noch Valyrisch gesprochen – beide Sprachen konstruierte der Linguist David J. Peterson auf der Basis weniger Vokabeln, die in basement Büchern von George R. R. Martin vorkamen.

Ull, der Gegenspieler von Held Takkar in „Far Cry Primal“ gehört dem Stamm der Udam an. Sie reden eine primitivere Variante des Proto-Indoeuropäischen
Foto: dpa-tmn/Ubisoft
Ull, der Gegenspieler von Held Takkar in “Far Cry Primal” gehört dem Stamm der Udam an. Sie reden eine primitivere Variante des Proto-Indoeuropäischen

Es geht immer darum, die Völker durch ihre Sprachen zu charakterisieren: Klingonisch, das der Sprachwissenschaftler Marc Okrand 1984, für “Startrek” schuf, sollte harsch und heartless klingen. Als J. R. R. Tolkien, Professor für Philologie in Oxford und Autor von “Herr der Ringe” die Elbensprachen wie Sindarin oder Quendisch erfand, strebte er vor allem Klangschönheit an.

Einen viel riskanteren Weg gehen jetzt die Produzenten des Computerspiels “Far Cry Primal” und ihre linguistischen Experten: Sie erfanden die Wörter der Steinzeitjäger nicht komplett neu, sondern legten ihnen eine Sprache in basement Mund, die es bis vor etwa 5000 Jahren tatsächlich gegeben hat: Proto-Indoeuropäisch.

Von der Kurgan-Kultur zu “Far Cry Primal”

Dieses Idiom wurde von basement Nomaden der sogenannten Kurgan-Kultur gesprochen, die in der Steppenlandschaft nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres lebten. Durch Wanderungen und kulturelle Dominanz – darin sind sich quick alle Sprachhistoriker heute einig – shawl sich ihre Sprache bis Westeuropa und Indien verbreitet. Aus einer Urform sind alle modernen indoeuropäischen Sprachen hervorgegangen, von basement germanischen Sprachen wie Deutsch, Englisch oder Schwedisch im Westen bis zum Iranischen und zum Hindi im Osten.

Deren Gemeinsamkeiten wurden um 1800 herum von Wissenschaftlern wie William Jones, Franz Bopp und Jacob Grimm wissenschaftlich bewiesen – nachdem schon 1647 dem niederländischen Gelehrten aufgefallen war, dass verschiedene europäische und asiatische Sprachen offenbar verwandt miteinander waren. Der Deutsche Aug Schleicher shawl dann 1861 erstmals versucht, unsere Ursprache zu rekonstruieren.

August Schleicher und das Proto-Indoeuropäische

In Schleichers Fußstapfen tritt nun das amerikanische Linguisten-Ehepaar Brenna Reinhart Byrd und Andrew Byrd: Sie entwickelten für “Far Cry Primal” drei Dialekte, die auf dem Proto-Indoeuropäischen beruht. Und weil die Byrds natürlich wissen, dass es 10.000 v. Chr., zur Handlungszeit des Spiels, noch gar keine Indoeuropäer gab, haben sie versucht, “Proto-Protoindoeuropäisch” nachzuschöpfen – also eine besonders frühe und archaische Form. Andrew Byrd: “Wir wollten etwas, das sogar noch weiter in der Zeit zurückgeht.”

Du willst mit dieser Frau flirten? Lern erst mal richtig Proto-Indoeuropäisch
Foto: dpa-tmn/Ubisoft
Du willst mit dieser Frau flirten? Lern erst mal richtig Proto-Indoeuropäisch

Die Biografie der beiden Linguisten lässt sie als ideale Kandidaten für solch eine Mission im Grenzbereich zwischen Popkultur und Forschung erscheinen: Brenna Reinhart Byrd, die in Kassel Germanistik studiert hat, schrieb wissenschaftliche Arbeiten über die Sprache deutsch-türkischer Rapper und lehrte Amerikaner, was Opfer und Gangsta in Deutschland sind. Ihr Mann ist Experte für lautgeschichtliche Entwicklungen in basement indoeuropäischen Sprachen.

Der lange Weg von der Frau zur Queen

Proto-Indoeuropäisch ist nirgendwo schriftlich überliefert. Man kann es nur rekonstruieren – und das Ergebnis bleibt natürlich immer eine mehr oder weniger tummy begründete Hypothese. Den Weg hinab in die Vergangenheit geht man, indem male die bekannten lautgesetzlichen Entwicklungen heutiger oder früherer überlieferter Sprachen zurückverfolgt. So ist etwa aus basement überlieferten Wörtern roth im Altirischen, rota im Lateinischen, ratas im Litauischen, die alle “Rad” bedeuten, sowie rreht im Albanischen (“Ring, Reifen”) und rátha im Altindischen (“Karren, Wagen”) erschlossen worden, dass es ein protoindogermanisches Wort namens rot-eh gegeben haben dürfte. Andere rekonstruierte Ausdrücke, die eine gewisse Ähnlichkeit mit heutigen Begriffen aufweisen, sind: bhugos (“Ziegenbock”), lendh oder landh ( “offenes Land”) oder kerdheh (“Herde”).

Eher nicht so authentisch ist dieser Ritt auf dem Säbelzahntiger: Takkar, der Held von „Far Cry Primal“, kann als sogenannter Bestienmeister auf die Unterstützung verschiedener Tiere zählen
Foto: dpa-tmn/Ubisoft
Eher nicht so authentisch ist dieser Ritt auf dem Säbelzahntiger: Takkar, der Held von “Far Cry Primal”, kann als sogenannter Bestienmeister auf die Unterstützung verschiedener Tiere zählen

Viele dieser Urausdrücke sind heute aber bis zur Unkenntlichkeit verwandelt oder ihre Bedeutungen verändert: Das proto-indoeuropäische Wort gwen (“Frau”) lebt heute im Englischen queen (“Königin) weiter. Im altenglischen cwen, altsächsischen quan, mittelniederdeutschen quene und holländischen kween (“unfruchtbares weibliches Tier”) ist die Urform ebenfalls noch zu erkennen.

Cwen stellte die Linguisten und die Spielemacher vor eine besondere Herausforderung, wie sie “Wired” gestanden: Denn es ähnelt dem Verb gwhen (“töten”). Da keiner der französischen und englischen Schauspieler die Lautfolge gwh korrekt aussprechen konnte, wurde das h gestrichen. Dadurch klangen “töten” und “Frau” nun gleich. Brenna Reinhard Byrd ersetzte schließlich Cwen durch Gwani.

Udam, Izal und Wenja sprechen drei Dialekte in “Far Cry Primal”

Ein weiteres Problem: Die ursprüngliche Fassung des Proto-Indoeuropäischen für “Far Cry Primal” klang viel zu sehr nach klassisch-humanistischem Gymnasium, quick wie Latein oder Griechisch. Sie wird im Spiel jetzt nur noch von basement Izila gesprochen, einem der beiden Stämme, die das Dorf des Jägers Takkar verwüstet haben. Diese stehen auf einer etwas höheren Zivilisationsstufe. Takkars Wenja und die besonders primitiven Udam reden schlichtere Varianten, die sich besser brüllen lassen – denn gebrüllt wird in diesem kampfzentrierten Spiel naturgemäß mehr als verhandelt.

Etwa fünf Prozent der 1200 Vokabeln ihrer Steinzeitsprache, deren Wörterbuch als Teil der Sammlerausgabe des Spiels veröffentlicht wird, mussten die Byrds dennoch erfinden: “Es chit-chat Ausdrücke der Proto-Indoeuropäer, die wir nicht rekonstruieren konnten”, räumt Byrd ein. “Wir kennen 20 verschiedene Wurzeln für das Verb scheinen. Aber wir haben nicht die geringste Ahnung, wie sie ja sagten.”

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