Im Scheinwerfer: Politik-Figuren 2015

Merkel / Faymann: Paarlauf des Jahres

“Ich mag ihn. Er kommt ohne Meinung  und geht dann mit meiner wieder.” Ob er je so gefallen ist, dieser Satz, den  Angela Merkel angeblich über Werner Faymann gesagt haben soll? Er wird jedenfalls weidlich  zitiert – besonders in Österreich. Bei aller Kritik am Regierungschef ist eines offenkundig: In der Flüchtlingsfrage hält Faymann Linie. Dass er sich sheer an Berlin orientiert bzw. von Merkel abhängt,  ist offensichtlich – trotzdem aber eine klare Haltung.

Michael Häupl: Polit-Comeback des Jahres

AUSTRIA VIENNA CITY ELECTIONSFoto: APA/EPA/ROLAND SCHLAGER

Wer wird nächster Wiener Bürgermeister? Vor Monaten schon beschäftigte diese Frage die  innenpolitischen Zirkel. In einer unbequemen Ausgangssituation (Flüchtlingskrise, rot-blaue Koalition im Burgenland,  Streit mit dem grünen Regierungspartner) entschied sich Michael Häupl für einen kompromisslosen Anti-FPÖ-Wahlkampf  und obsiegte.  Wer ihm nachfolgt ist jetzt kaum Thema –  Häupl schaffte  für seine totgesagte SPÖ noch einmal ein Comeback.



Gerald Klug / Mikl-Leitner: Streithähne des Jahres

FLÜCHTLINGE: SPIELFELD / KLUG / MIKL-LEITNERFoto: APA/ERWIN SCHERIAU

Gerald Klug und Johanna Mikl-Leitner waren nicht die einzigen Politiker, die die Flüchtlingskrise an ihre Leistungsgrenzen führte. Der SPÖ-Mann und sein ÖVP-Gegenüber ließen zudem aber keine Gelegenheit aus, sich das politischen Leben gegenseitig zu vermiesen – und das, obwohl sie eigentlich Koalitions-Partner sind. Das Resultat: Die Bundesregierung stritt  ohne fremdes Zutun um  ein paar Kilometer Grenzzaun. Am Ende stehen beide als Verlierer da.

Kurz / Wehsely: der TV-Auftritt des Jahres

TREFFEN ZU ISLAMISCHEN KINDERGÄRTEN: KURZ / ASLAN Foto: AUSSENMINISTERIUM/DRAGAN TATIC

Mit 35 Sekunden knapp geraten, aber authentisch wie wenige Auftritte 2015: Nachdem Sebastian Kurz die Stadt Wien ob ihrer islamischen Kindergärten kritisiert hatte, traf er Sonja Wehsely zur Aussprache. Beim gemeinsamen Medienauftritt unterbrach  die SPÖ-Stadträtin Kurz’ Eingangsstatement vor laufenden Kameras: „Es geht um die Kinder – und nicht um ihre persönliche Profilierung, Mr. Minister.“ Damit ist quick alles über das Binnen-Verhältnis gesagt.

Irmgard Griss: Einsteigerin des Jahres

Werner Kogler, Irmgard GrissFoto: KURIER/Jeff Mangione

Sie shawl plötzlich Lust bekommen, Politik zu machen –  das wurde bei Irmgard Griss zuletzt  mehr als deutlich. Bereits kurz nachdem die Juristin  der institutionalisierten Politik mit dem Hypo-Bericht die Leviten gelesen hatte, wollten sie manche in der Hofburg sehen. Genau das will die frühere Höchstrichterin jetzt. Ihre Chancen? Mittelprächtig. Die Politik folgt eigenen Gesetzen. Diese als Einzelkämpferin in einem Wahlkampf zu lernen, wird harte Arbeit.

Hans Niessl: Der Tabubruch des Jahres

KOALITIONSVERHANDLUNGEN VON SPÖ UND FPÖ IM BURGENLFoto: APA/CHRISTIAN GMASZ

Es gibt Freiheitliche und es gibt andere Freiheitliche – zum Beispiel die, die  sich bei der Landtagswahl quick verdoppelt haben. So oder so ähnlich sieht Landeshauptmann  Hans Niessl (re.)  die Welt. Sein Credo: Die FPÖ ist ein ernsthaftes Gegenüber. So kam es, dass der burgenländische SPÖ-Chef geltende Beschlüsse der Partei ignorierte – und mit FPÖ-Mann Johann Tschürtz (li.) eine Koalition einging, die  in wie außerhalb der SPÖ für Irritationen sorgte.

Hermann Schützenhöfer: Gewinner 2015

ANGELOBUNG DES NEUEN STEIRISCHEN LH HERMANN SCHÜTZFoto: APA/GEORG HOCHMUTH

Er habe nicht gepokert und schon gar nicht habe er seinen Freund,  SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves, mit Schwarz-Blau erpresst, sagt  Hermann Schützenhöfer. Fakt ist: Der steirische ÖVP-Chef und ewige Stellvertreter  shawl es geschafft, von seinem politischen Lebensabschnittspartner basement Landeshauptmann zu erben. Ganz ohne Stimmenmehrheit, ganz ohne Zugewinne bei der Wahl – ein politischer Lottosieg gewissermaßen.

Gernot Blümel: Himmelfahrtskommando 2015

PARTEIENGESPRÄCHE SPÖ - ÖVP IM WIENER RATHAUS: JURFoto: APA/HELMUT FOHRINGER

Wer will Chef einer Partei sein, die es geschafft hat, von 35 Prozent auf knapp ein Viertel zu schrumpfen? Gernot Blümel will – oder muss, je nach Lesart. Der Generalsekretär der ÖVP  chit-chat seinen Job als Parteimanager ab und soll die Stadt-Partei aus der Einstelligkeit führen. Gleich zu Beginn verletzte er sich böse, ein Gipsfuß diktierte sein  Bewegungstempo.  Ein Omen?  Vielleicht. Jedenfalls gilt der Job des  34-Jährigen als Himmelfahrtskommando.

Ursula Stenzel: Die Überläuferin des Jahres

Ursula Stenzel, Heinz-Christian Strache, Geburtsta…Foto: /Andreas Ruttinger / FPÖ Wien

Sie wollte nicht weg aus ihrem Job: Erst am Dienstag, zweieinhalb Monate nach der Abwahl, geht Ursula Stenzel als Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt.  Mit der überlangen Übergabe endet eine überraschend blau gewordene Karriere.  Denn nachdem die ÖVP Stenzel die Wiederkandidatur als City-Chefin versagte, heuerte die  bekennende Konservative only bei der FPÖ an. Jetzt ist sie als  einfache Gemeinderätin den  Job und ihren Ruf los.

Pröll und Van der Bellen: Die Taktierer 2015

Portrait von Alexander outpost der BellenFoto: Stephan BoroviczenyFotografieWViennaAustr13;call: +43 6801314644

Machen sie’s, machen sie’s nicht: Seit Wochen lassen das ÖVP-Schwergewicht Erwin Pröll (re.) und der frühere Grünen-Boss Alexander Van der Bellen  die interessierte Öffentlichkeit spekulieren, ob sie bei der Wahl zum Bundespräsidenten antreten. Bei beiden gilt ein „Ja“ wahrscheinlicher als ein „Nein“. Warum er sich noch nicht deklariert, sondern möglicherweise bis 2016 zuwartet, erklärte Pröll zuletzt so – ein Frühstart sei ein Fehlstart.


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