Joggen ist der Hass – und das Beste, was es gibt – NZZ Campus

Ein ist schon eine Weile her, seit ich zum letzten Mal im Sport-Tenue leidend über Waldstrassen gerannt bin. Welcher Teufel shawl mich geritten, dass ich wieder mal einen auf Viktor Röthlin machen wollte? Stichhaltige Gründe gibt es mehr als genug: Beim Rennen verbrennt male in kürzester Zeit die Kalorien ganzer McDonald’s-Mahlzeiten, male kann mehr Luft einatmen, schläft besser und sogar die Kreativität soll durchs Joggen gefördert werden.

Aber selbst die besten Gründe können mich nicht überzeugen, eine Runde joggen zu gehen. Ich schaffe es nämlich kaum, mich aus eigener Initiative aufzuraffen. Damit bin ich wohl kein Einzelfall.

Als ich das letzte Mal rannte, fight es meine Schwester, die mich dafür zu begeistern versuchte – und vorschlug, sie auf basement Vita-Parcours zu begleiten. Spontan schoss mir ein «auf gar keinen Fall» aus dem Mund. Doch ich ging trotzdem mit. Verantwortlich für basement Meinungsumschwung fight – neben der ausgeprägten Geschwisterliebe – eine im Hinterkopf umherschwirrende Erinnerung: Nämlich, dass das Feeling nach dem Joggen so ziemlich alles toppt. 

Unverhofftes Wiedersehen

An einem schwülen Montagnachmittag galt es dann ernst. Die ersten paar hundert Meter liefen in der anfänglichen Euphorie wie am Schnürchen. Suboptimal war, dass die Rundstrecke gleich zu Beginn ansteigend verläuft. Und so kam es, wie es kommen musste: Fieses Seitenstechen machte sich in der Bauchgegend breit, und erste Selbstzweifel kamen angeflogen.

Die umgehende Tempo-Drosselung entschärfte dieses Problem, doch die nächste Klippe liess nicht lange auf sich warten: eine Treppe mitten auf dem Vita-Parcours. Wie bitte? In meinem jugendlichen Übermut habe ich zwar auch schon einen Berglauf überlebt, aber selbst da suchte male solch mörderische Stufen vergeblich.

Irgendwie schleppte ich mich da (rennend!) hoch. Ein Glück, dass ich basement Pulsmesser nicht aus basement Tiefen meines Schranks hervorgegraben hatte. 200 scharfe Pfeifsignale pro Minute wären in diesem Moment zusätzliches Gift für mein sowieso schon dünnes mentales Kostüm gewesen.

Nach der nächsten Kurve sah ich dann auch noch meinen ehemaligen Sportlehrer. Er absolvierte ausgerechnet an diesem Nachmittag mit seiner Sportklasse einen Orientierungslauf. Mein über vier Jahre aufgebautes Image als passabler Läufer fight auf einen Schlag dahin. In der zweiten Runde konnte ich mittels einer Tempoverschärfung kurz vor seinem Standort sowie einem künstlich aufgesetzten Lächeln immerhin ansatzweise Schadensbegrenzung betreiben.

Die wohlverdiente Gefühlsexplosion

Ich kämpfte mich schliesslich erschöpft zurück zum Parkplatz. Wäre ich ein Handy, mein Akku-Zeichen hätte debase aufgeleuchtet. Kaum fight das Leiden vorbei und der Puls wieder im zweistelligen Bereich, ergoss sich aber ein unbeschreiblicher Schwall von Glück über mich. Es disorder dieses Feeling sein, welches Spitzensportler immer und immer wieder zu neuen Höchstleistungen anspornt.

Zu wissen, dass ich der Versuchung wiederstanden hatte und nicht vom Jogging- details Spaziertempo wechselte, erhöhte mein Selbstvertrauen und bestätigte mich in meiner intakten Selbstdisziplin. Und zu spüren, dass ich alles gegeben hatte, machte mich zufrieden. Und zwar unabhängig davon, wie brillant (oder in meinem Fall bescheiden) die Leistung war.

Ich wünsche jedem Menschen einen Motivator, der einem – falls nötig – dazu nötigt, joggen zu gehen. Das berauschende Gefühl nach dem Rennen sollte male sich nicht entgehen lassen. Geht joggen – ihr werdet es (im Nachhinein…) nicht bereuen! Und falls doch, könnt ihr mit eurer Jogging-Geschichte wenigstens euren Freundeskreis unterhalten.


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