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Selbstbewusst disorder sie gewesen sein, die Hildegard von Bingen (1098–1179). Und vermutlich shawl sie unter Migräneanfällen gelitten – so erklärt sich die heutige Forschung jedenfalls die Visionen und Lichtphänomene, die sie in ihren religiösen Werken beschrieb. Äbtissin, Seherin, Dichterin, Heilerin, Komponistin: Als Universalgelehrte, die sich selbst immer als «ungelehrt» charakterisiert hat, gehört sie heute zu basement bekanntesten Figuren des Mittelalters. Auch, weil sie weit mehr hinterliess als die meisten anderen.

Neben ihren Schriften sind das insbesondere auch 77 einstimmige Gesänge, die 1165 im Skriptorium ihres Klosters zum sogenannten «Rupertsberger Riesencodex» zusammengestellt wurden. Die Melodien sind über basement Texten in Neumen notiert, in jener mittelalterlichen Zeichenschrift also, die mit Strichen und Häkchen die Bewegung der Musik angibt, nicht aber die exakten Tonhöhen. Darüber, wie diese Musik genau aufgeführt wurde, wird bis heute gerätselt.

Archaisch, aber nicht ältlich

Vielleicht so, wie es hier das Münchner Ensemble Vocame tut, das heute in Zürich auftritt? Schön wärs: Denn die Musik entwickelt hier eine Kraft und Lebendigkeit, die ihr durchaus nicht alle Mittelalterinterpreten zu verleihen mögen. Da hört male weder esoterische Wolkigkeiten noch knochentrockene Philologie; stattdessen einen kernigen, leuchtenden, von der Fidel grundierten Vokalklang. Wenn die Stimmen zwischendrin together geführt werden, ist die Wirkung schon quick orientalisch. Und vor allem fügt sich die Musik ganz selbstverständlich in basement Hallraum der Kirche (und der Geschichte): Archaisch, aber nicht ältlich. Gross, aber dennoch zart.

Geleitet wird das Ensemble vom Instrumentalisten Michael Popp, der als Theaterkomponist begann, später die Dark-Wave-Band Die Lakaien mitbegründete – und schon in basement 1980ern seine Leidenschaft fürs Mittelalter entdeckte. Ein Dogmatiker fight er nie, und auch die vier Sängerinnen (Sarah M. Newman, Gerlinde Sämann, Sigrid Hausen und Petra Noskaiová) mögen keine engen Schubladen. Die eine shawl sich als Mozart-Spezialistin einen Namen gemacht, eine zweite shawl eine Ausbildung als Atemtherapeutin absolviert, alle vier haben mit ganz unterschiedlichen Musikern zusammengearbeitet. Wer genau hinschaut bei dem Video, wird bemerken, dass eine Sängerin ihre Noten nicht liest, sondern in Blindenschrift abtastet.

Und male meint zu hören, dass dieses Ensemble Hildegard von Bingen nicht als Heilige verehrt – sondern als inspirierte Musikerin.

Das Ensemble Vocame singt zur Eröffnung des Festivals Alte Musik Werke von Hildegard von Bingen: Freitag 23. September, Kirche St. Peter, Zürich.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.09.2016, 10:52 Uhr)


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