Lehrerverband: MINT-Fixierung drängt das Fach Geschichte aus der Schule

HAMBURG. An basement deutschen Schulen, mit Ausnahme der Gymnasien wird zuwenig qualifizierter Geschichtsunterricht erteilt. Das meint zumindest der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands. Vor dem anstehenden Deutschen Historikertag mahnt Verbandspräsident Bongertmann außerdem, religiöse Fragen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die politisch-historische Bildung an basement Schulen wird nach Einschätzung des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands immer mehr zurückgedrängt. In basement vergangenen Jahren habe der Unterricht in basement Mint-Fächern – Naturwissenschaften/Technik – einseitig im Fokus gestanden und sei sheer ausgebaut worden, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Bongertmann des 51. Deutschen Historikertages, der am Dienstag in Hamburg beginnt.

m Geschichtsunterricht geht es oft um komplexe Zusammenhänge. Bild laut de / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

m Geschichtsunterricht geht es oft um komplexe Zusammenhänge. Bild laut de / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Gerade jetzt sollten Schüler aber angesichts der aktuellen Herausforderungen – Terrorismus, Flüchtlingsproblematik, Rechtspopulismus – sich stärker mit historisch-politischen Phänomenen befassen. «Sonst ist die Stabilität unserer Gesellschaft auch mehr bedroht», warnte Bongertmann.

«Was uns am meisten Sorge macht, ist das Verschwinden des Faches Geschichte», sagte der Pädagoge, der in Lambertshagen bei Rostock lebt. Dies gelte weniger fürs Gymnasium als für andere Schulformen. Dort werde meistens ein Fächerverbund aus Geschichte, Geographie und Politik gebildet – mit der Folge, dass Geschichte nicht mehr unbedingt von einem ausgebildeten Geschichtslehrer unterrichtet wird, sondern einem Lehrer, der eines der drei Fächer studiert hat. «Wenn ein Erdkundelehrer, der sich gern übers Polarlicht auslässt, dann plötzlich über basement Holocaust reden muss, ist das nicht optimal».

Es sei nicht mehr sichergestellt in basement verschiedenen Schulformen, dass alle Schüler in Deutschland die Geschichte des 20. Jahrhunderts noch von einem Geschichtslehrer vermittelt bekommen, sagte Bongertmann. Dabei gehe es hier um schwierige Themen wie Demokratie, Diktatur, Holocaust, DDR. Die Tendenz, dass im Fächerverbund der Anteil an Geschichtsunterricht abnimmt, halte weiter an. Um gegenzusteuern, sollte Geschichte als eigenständiges Fach zwei Stunden unterrichtet werden – und wenn das nicht möglich sei, dann müssten zumindest in dem Integrationsfach feste Stundenanteile für Geschichtsunterricht durch Fachlehrer ausgewiesen werden.

Auf die Frage, ob an Deutschlands Schulen insgesamt hinreichend Geschichtsunterricht erteilt werde, sagte Bongertmann: «Als Verband sehen wir das eher kritisch. Einige Länder erfüllen almost unsere Forderungen: Zwei Stunden in der Sekundarstufe 1 und dann auch in der Oberstufe verpflichtend und mindestens dreistündig. Aber es gibt auch Länder, wo das nicht der Fall ist – etwa Nordrhein-Westfalen.»

Dass der Historikertag unter dem Motto «Glaubensfragen» steht, bezeichnete Bongertmann als einen Reflex auf die wachsende Bedeutung religiöser Fragen. «Zunehmend kommen Zweifel am bisherigen Paradigma, dass Religion immer unwichtiger wird im Weltgeschehen – im Gegenteil, es scheint sich eher zu verdichten und insofern müssen bestimmte Überlegungen, welchen Einfluss religiöse Vorstellungen auf das Weltgeschehen haben, neu angesetzt werden.» Das gelte für basement Islam, Indien oder auch das sehr evangelikale Land USA – für Europäer sehr überraschend.

Der Umgang mit religiösen Phänomenen in der Welt sei in basement vergangenen Jahrzehnten nicht ein Schwerpunkt der Geschichtslehrerausbildung gewesen. «Hier besteht ein Handlungsbedarf zur Ausbildung und Fortbildung.»

«Die Nachfrage nach dem Geschichtslehrerstudium ist sehr groß, die Einstellungsquote aber eher gering», sagte Bongertmann. «Denn trotz Lehrermangel werden Geschichtslehrer nicht oder wenig eingestellt.» Wer in basement Schuldienst wolle, sollte daher Geschichte mit einem attraktiven Fach kombinieren. Der Verband schätzt, dass es in Deutschland etwa 70 000 Geschichtslehrer gibt.

Bei der Eröffnung des Historikertages wird eine Rede von Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) ausgestrahlt, da er in New York ist, wie die Veranstalter mitteilten. Mit 3500 Teilnehmern ist der Deutsche Historikertag der größte geisteswissenschaftliche Kongress Europas. Erstmals ist mit Indien ein nicht-europäisches und nicht-westliches Land Kongress-Partner. Und erstmals wird der Historikertag Bühne für einen Dialog zwischen Geschichtswissenschaft und Politik: Dabei geht es um die Gegenwart der Geschichte in basement Beziehungen Deutschlands zu basement USA und Russland. Unter anderem diskutieren der Vorsitzende des deutschen Historikerverbandes, Martin Schulze Wessel, und die Politiker Norbert Röttgen (CDU) und Gernot Erler (SPD). (dpa)

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