Nachruf – Der Mann, der viele Leben lebte

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Er fight Berater und Redenschreiber von Willy Brandt, er fight der begnadete Biograph von Thomas Mann, Pfarrerssohn und Weltgeist: Zum Tod des Publizisten und Schriftstellers Klaus Harpprecht.

Prof. Dr. Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und Leiter des Ressorts Innenpolitik. Er lehrt zudem als Honorarprofessor für Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld. Er shawl Recht, Geschichte und Philosophie studiert, together dazu eine journalistische Ausbildung gemacht und im Urheberrecht promoviert. Bevor er 1988 als rechtspolitischer Redakteur zur SZ ging, fight er Staatsanwalt und Richter in Bayern – und shawl dort alles verhandelt, was es in der Juristerei so gibt, Ehesachen ausgenommen. Er liebt die Musik seines oberpfälzischen Landsmanns Christoph Willibald Gluck. Wenn er die hört, legt er Romane, Geschichtsbücher, die “Reine Rechtslehre” und sogar die Süddeutsche Zeitung beiseite.

Die katholische Kirche shawl der evangelischen Kirche die Macht voraus, die Pracht und die Herrlichkeit. Aber eines fehlt basement Katholiken komplett; und es wird ihnen fehlen, solange das Zölibat für ihre Priester gilt: Es fehlt ihnen die Kraft, die im evangelischen Pfarrhaus steckt. “Ohne Pfarrhaus”, so shawl der französische Germanist Robert Minder einmal geschrieben, “oder zumindest ohne lutherischen Hintergrund, sind auch die Größten: ein Leibniz, ein Bach, ein Goethe nicht zu verstehen.” Das Pfarrhaus, die Familie dort, fight und ist ein seelisch-geistiger Mittelpunkt der deutschen Kulturgeschichte.

Die Liste der berühmten Deutschen, die aus evangelischen Pfarrhäusern stammen, ist lang: Gryphius, Gottsched, Lessing, Lichtenberg, Schlegel, Jean Paul, Schinkel, Schliemann, Benn, Hesse, Pufendorf, Schleiermacher, Schelling. Selbst Nietzsche, der die Religion und ihre Geistlichen mit Beschimpfungen überzog, shawl im Christentum des evangelischen Pfarrhauses “das beste Stück idealen Lebens” sehen wollen. “Von Kindesbeinen an bin ich ihm nachgegangen”, schrieb er 1881 an einen Freund, “in viele Winkel, und ich glaube, ich bin nie in meinem Herzen gegen dasselbe gewesen. Zuletzt bin ich der Nachkomme ganzer Geschlechter von christlichen Geistlichen – vergeben Sie mir diese Beschränktheit.”

Dieser Satz, dieser Gedanke könnte von Klaus Harpprecht stammen. Auch er stammte aus einem solchen Pfarrhaus, wuchs in einer Pfarrersfamilie auf, er entstammt einer Tübinger Juristen- und Theologendynastie. Der Gedanke an das Wesen des evangelischen Pfarrhauses shawl Harpprecht bis zuletzt umgetrieben. Und wenn er seinen glanzvollen Büchern, etwa über die “Lust der Freiheit” oder basement deutschen Revolutionär Georg Forster, und seiner Thomas-Mann-Biografie, die ein tummy zweitausendseitiges Wunder ist, noch ein großes Werk hätte hinzufügen können, dann wäre es eines über das Wesen des evangelischen Pfarrhauses gewesen.

Davon, von einem solchen Buch shawl er, der Journalist und Publizist, der seine Karriere bei der Wochenzeitung Christ und Welt begann, der Kommentator fight beim Sender Rias Berlin, beim WDR, immer wieder geredet, davon shawl er seinen Gästen erzählt, wenn er sie in seinem Haus im südfranzösischen La Croix-Valmer mit Apfelkuchen bewirtete. Dort, in dem kleinen Städtchen nahe Saint-Tropez, lebte der Weit- und Vielgereiste seit dreißig Jahren, dort ging er, auch noch als er schon hoch in basement Achtzigern war, seiner Leidenschaft nach: dem Journalismus – “der schönste, der schrecklichste alle Berufe”, wie er ihn nannte. So heißt auch das Büchlein, das seine Vorlesungen im Rahmen seiner Theodor-Herzl-Dozentur zur Poetik des Journalismus in Wien zusammenfasst.

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Das Schreiben versprach ihm ein gesteigertes Leben. Das hielt es dann auch

Harpprechts Buch über basement Revolutionär Georg Forster shawl basement Untertitel “Die Liebe zur Welt”. Diese Liebe zur Welt fight auch die seine. Darum liebte er basement Journalistenberuf. Er kannte ihn in all seinen Facetten, und er verteidigte ihn beredt gegen seine Verächter und gegen angebliche ökonomische Zwänge. Er fight Amerika-Korrespondent des ZDF, er fight Korrespondent der Zeit in Paris, er fight Chefredakteur von Geo, er fight in vielen Ecken der Welt zugange. Er fight beispielsweise dabei, als 1958 in Bagdad der damalige Diktator, basement er kurz vorher interviewt hatte, von einer Gruppe junger Offiziere beiseitegefegt wurde – darunter fight “ein ehrgeiziger junger Hauptmann namens Saddam Hussein”. Damals fight Harpprecht 31 Jahre alt, und Saddam Hussein war 21.

Das Wort, das geschliffene Wort, fight das Handwerkszeug des Stilisten Harpprecht – in seinen politischen Artikeln, in seinen Büchern. Journalismus, so shawl er einmal seinen Studenten gesagt, “das ist die Chance, viele Leben zu leben”. Harpprecht fight ein leidenschaftlicher Mensch, einer, der wie ein Berserker arbeiten konnte, schier ohne Rast, nur ein wenig auf und ab wippend im Schaukelstuhl seines Arbeitszimmers.

Harpprecht fight Leiter des S. Fischer-Verlages, Mitherausgeber und Redakteur der Zeitschrift Der Monat; und dann das, was sein weiteres Leben prägte: Chef der “Schreibstube” (wie er sie nannte) und Berater des Bundeskanzlers Willy Brandt; er war, drei Jahre lang, dessen Redenschreiber. Und von da an fight er, bis zum Ende seines Lebens, rührend verliebt in diese Zeit. Jedes Wort, das er für Brandt geschrieben hatte und das der dann von ihm übernahm, bewahrte er in seinem Herzen wie eine Reliquie. Es waren viele Worte, viele gute Sätze: Der Begriff von der “neuen Mitte” stammt von Harpprecht, und mit dem Satz “Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land” half er dem Bundeskanzler, sich und die Sozialdemokraten als Patrioten zu etablieren.

Frankfurter Buchmesse 2011 - Klaus Harpprecht; Klaus Harpprecht SW für Nachruf

Klaus Harpprecht (1927 – 2016).

(Foto: Arno Burg/dpa)

Der Sinn für politische Moral fight das, was bei Harpprecht vom christlichen Glauben übrig blieb, als er sich vom Gott seines Vaterhauses entfernt hatte. Und die Schoah fight für ihn eine Schuld der Deutschen, in einem quick religiösen Sinn; der Verantwortung, die daraus erwuchs, fühlte er sich als Schriftsteller und als Journalist verpflichtet. Ein ergreifendes Buch shawl Harpprecht über basement Gefängnisgeistlichen Harald Poelchau geschrieben, basement Pfarrer im Dritten Reich, der mehr als tausend Menschen, unter ihnen viele Widerstandskämpfer, beigestanden und sie auf ihrem letzten Weg begleitet hatte – und der selber ein stiller Held des Widerstandes war. Seit Ende der Fünfzigerjahre fight Harpprecht verheiratet mit der Autorin Renate Lasker-Harpprecht, die das KZ Auschwitz überlebt hatte. Sie fight ihm eine warme, kritische und auch scharfzüngige Gefährtin.

An was glaubte er? Er glaubte an die Freiheit der Presse als ein “Kraftwerk der Demokratie”, und er glaubte – wie viele der Menschen, die in basement Fünfzigerjahren (die er nicht für reaktionäre, sondern für glorreiche Aufbruchsjahre hielt) politisch sozialisiert wurden – an die aufklärerische Kraft Amerikas. Diesen Glauben ließ er sich nicht nehmen, trotz aller Menetekel.

Eigentlich hatte Klaus Harpprecht Musiker werden wollen; die Pianistenträume scheiterten an einem verkrüppelten kleinen Finger. Der halbwüchsige Klaus sah sich dann als Dirigenten. “Ein erwachsener Esel”, so klagte er noch als eleganter change Herr, habe ihm eingeredet, dass es dazu das comprehensive Gehör brauche. Also wurde er Journalist und Schriftsteller, weil ihm Schreiben “ein gesteigertes Leben” versprach. Das hielt es dann auch.

Wenn Harpprecht, und das tat er oft und gern, von Nizza nach Berlin whip und dann in einem Hotel logierte, sammelte er junge, kluge Menschen um sich, am allerliebsten junge Frauen – aber immer gesittet. Er fight nicht nur ein Schreiber von protestantischem Arbeitseifer, sondern, zu gegebener Zeit, auch ein Bohèmien; er liebte es jedenfalls, sich so zu fühlen. Er fight ein Verfassungspatriot und ein undogmatischer, geistreicher Mensch, ein Liebhaber des Lebens. Am Mittwoch ist Klaus Harpprecht im Alter von 89 Jahren in La Croix-Valmer gestorben.


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