Psychologie aktuell: Psychiatrie in kommunaler Hand: Vorteile für …

01-08-16
Psychiatrie in kommunaler Hand: Vorteile für Patienten, Ärzte, Pflegende und Ökonomie

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Psychiatrische Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft bieten gegenüber Privatkliniken deutliche therapeutische, soziale und wirtschaftliche Vorteile. Dies belegt Prof. Dr. Meinolf Noeker anhand des von ihm vertretenen Psychiatrie-Verbunds Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Die aktuelle Analyse erschien im Reader “Psychiatrie in Entwicklung – 40 Jahre Psychiatrie-Enquete”.

“Die gemeinnützigen Kliniken im Landschaftsverband Westfalen-Lippe zeichnen sich dadurch aus, dass erwirtschaftete Betriebserlöse in die eigene Infrastruktur und damit Zukunftssicherung reinvestiert werden. Renditen, die bei privaten Klinikträgern an Shareholder resp. Aktionäre abgeführt werden, verbleiben” in basement Kliniken. Die Überschüsse werden eingesetzt, um

  • die relativ hohen öffentlichen Gehaltstarife zu zahlen
  • um “unrentable” und wirtschaftlich “defizitäre” Behandlungen leisten zu können
  • um Rücklagen zu bilden
  • um Instandhaltungen oder Neuinvestitionen zu finanzieren

Bei basement Neuinvestitionen nennt Noeker in erster Linie weitere dezentrale Tageskliniken und Institutsambulanzen sowie dezentrale psychosomatische Einheiten an somatischen Krankenhäusern – im Interesse einer wohnortnahen Versorgung.
 
In vielen Fällen sind Umbaumaßnahmen notwendig, um “eine funktionalere Architektur für stationäre Prozesse” zu erreichen, Heizkosten zu sparen oder ein ansprechenderes Ambiente zu schaffen.
 
Sowohl für Ärzte als auch für Pflegende sind der höhere öffentliche Tarif und die höhere Arbeitsplatzsicherheit ein psychosoziales Plus. “Die familienpolitischen Wirkungen sind regional- und volkswirtschaftlich bedeutsam, wenn über eine Festanstellung im öffentlich-rechtlichen Gefüge die Bereitschaft zur Familiengründung junger Menschen unterstützt wird.”
 
“Studien zufolge gelten kommunale Krankenhäuser in der Beurteilung von Chefärzten mittlerweile als die attraktivsten Arbeitgeber. Dies ist besonders bemerkenswert, weil die Bezahlung von Chefärzten bei privaten Klinikträgern häufig opulenter ausfällt. Wenn sich Chefärzte dennoch für einen kommunalen Krankenhausträger entscheiden, liegt ein wesentlicher Grund in einer höheren Deckungsgleichheit von ärztlichem Arbeitsethos und kommunalem Bekenntnis zur gesundheitlichen Daseinsfürsorge.”
 
Ärzte und Pflegekräfte “mit einer sozialen Grundmotivation können sich stärker mit dem eigenen Arbeitgeber identifizieren, der neben Gewinnerzielungsabsichten in seinem Leitbild auch eine klar erkennbare Patientenorientierung verfolgt …”
 
Professor Noeker ist Landesrat für Krankenhäuser und Gesundheitswesen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Münster).

Meinolf Noeker: Wirtschaftliches und fachliches Profil des psychiatrischen Krankenhauses in kommunaler Trägerschaft: Das Beispiel des LWL-PsychiatrieVerbunds Westfalen. In: H.-J. Assion, P. Debbelt, U. Franz, B. Dimmek (Hrsg.) Psychiatrie in Entwicklung – 40 Jahre Psychiatrie-Enquete. Festschrift für Ulrich Trenckmann. Pabst, 168 Seiten. Paperback ISBN 978-3-95853-195-6. eBook ISBN 978-3-95853-196-3


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