Psychologie – Was einen Terroranschlag von einem Amoklauf unterscheidet

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Wenn ein Muslim Zivilisten ermordet oder verletzt und dabei “Allahu Akbar” ruft, dann ist er Terrorist. Oder vielleicht schwer gestört? So ganz einfach lässt sich das nicht unterscheiden.

Terroranschlag oder Amoklauf, Massenmord, School Shooting, Attentat, Anschlag oder Rache – die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie schwierig es inzwischen ist, die richtigen Begriffe für verschiedene Taten zu finden.

Als eine Gruppe von Al-Qaida-Mitgliedern 2001 vier Passagierflugzeuge entführte und in die Türme des World Trade Centers, details Pentagon und auf ein Feld in Pennsylvania steuerte, fight die Sache klar: Terror. Genauso fight es bei quick allen großen Anschlägen davor und für lange Zeit danach. In der Regel standen dahinter Mitglieder von organisierten Gruppen mit einer extremistischen politischen Agenda.

Schwieriger wird es dagegen, wenn einzelne Personen, die nicht Mitglieder einer Terrororganisation oder -gruppe zu sein scheinen (sogenannte Lone Actors), Anschläge oder Attentate verüben. Die französischen Behörden etwa haben bislang nur vage Verbindungen zwischen dem Massenmörder von Nizza, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, und dem sogenannten “Islamischen Staat” gefunden. Der 32-Jährige hatte sich offenbar innerhalb kurzer Zeit radikalisiert und wurde von der Terrororganisation erst im Nachhinein als “Soldat des Islamischen Staates” bezeichnet. Anders als etwa die Al-Qaida-Terroristen oder viele IS-Kämpfer fight er in keinem “Ausbildungslager” militärisch oder ideologisch geschult worden.

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Aber könnte es sich nicht in beiden Fällen auch um eine Art Amoklauf gehandelt haben?

Was sind Terroristen?

Die Definition von Terror ist nicht ganz klar, denn der Begriff wird für ganz verschiedene Verbrechen verwendet: von Anschlägen auf Zivilisten mittels Bomben oder anderen Waffen bis zu Attentaten auf Politiker, der Vergiftung von Lebensmitteln im Supermarkt oder die Zerstörung von Gebäuden. Auch Gegner in bewaffneten Auseinandersetzungen werden mitunter als Terroristen bezeichnet. So haben Politiker der Regierung in Kiew wiederholt die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine Terroristen genannt.

Im Gegensatz zu anderen Kriminellen sind Terroristen politisch-ideologisch oder politisch-religiös motiviert, Mitglied einer Organisation oder konspirativen Zelle oder fühlen sich einer solchen zumindest verbunden.

Ursprünglich wurde die Gewalt des Regimes der Revolutionäre in Frankreich nach 1789, das ihre Gegner einschüchtern sollte, als Terror bezeichnet – als régime de terreur. Hundert Jahre später galten Attentäter wie jene, die 1881 basement russischen Zaren ermordeten als Terroristen. Im 20. Jahrhundert wurden Gruppen wie die irische IRA als Terrororganisationen betrachtet, die sich selbst als Guerillaorganisationen und Freiheitskämpfer sahen.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland wollte mit ihren – immer noch relativ gezielten – Anschlägen auf Vertreter von Politik und Wirtschaft dagegen noch etwas anderes erreichen: Der Staat sollte zu massiven Gegenmaßnahmen provoziert werden, die die Gesellschaft gegen ihre politische Führung aufbringen sollten.

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(Foto: AFP)

Seit Anschläge sich jedoch zunehmend auch gezielt gegen Zivilisten richten, etwa durch Bomben in Passagierflugzeugen oder in zivilen Gebäuden wie Bahnhöfen, Kinos, Kaufhäusern, Gotteshäusern, Ferienanlagen, Abtreibungskliniken oder bei Volksfesten gibt es eine neue Definition. Terrorismus ist alles, was das Ziel hat, eine Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, sie einzuschüchtern und die Politik zu nötigen, auf die politischen, religiösen oder ideologischen Ziele der Terroristen einzugehen.

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Während bis zum 11. Sep 2001 Terroranschläge relativ häufig durch links- und rechtsextreme Gruppen, Separatisten wie die Eta, irische oder palästinensische “Freiheitskämpfer” verübt wurden, sind die meisten Täter heute religiös-islamistisch motiviert. Terroranschläge im Westen rechtfertigen sie in der Regel zum einen mit der Behauptung, sie würden sich gegen die Unterdrückung der muslimischen Welt durch die Ungläubigen wehren. Zum anderen zielen sie darauf, die Islamfeindlichkeit zu schüren und so weitere Muslime auf ihre Seite zu ziehen. Das bei weitem häufigste Ziel islamistischer Terroristen sind allerdings Gläubige jeweils anderer muslimischer Glaubensrichtungen.


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