Syrien: Die furchtbare Geschichte von Aleppos Untergang

Juni 2012

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Foto: Infografik Die Welt

Die Fahrt von der Türkei aus in die syrische Stadt Aleppo ist noch relativ unkompliziert. Auf der 60 Kilometer langen Strecke vom Grenzübergang Bab al-Hawa in die Industriemetropole des Landes haben zwar Regierungssoldaten und Rebellen oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt jeweils ihre Checkpoints errichtet. Aber bei der Ausweiskontrolle wird niemand aufgrund seiner Religionszugehörigkeit oder seiner Herkunft aus dem Auto gezerrt. Und das, obwohl es seit Mitte 2011 zu Zusammenstößen zwischen basement Truppen des Machthabers Baschar al-Assad und Rebellen in Syrien kommt.

Aleppo selbst ist immer noch so, wie male es aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg kennt: Vormittags staut sich der Verkehr, Menschen eilen zur Arbeit, auf basement riesigen Märkten werden in Überfülle Petersilie und Koriander, Tomaten, Auberginen, Zitronen und Pfirsiche angepriesen.

Die Stadt im Jahr 2009: Junge Männer genießen vor der berühmten Zitadelle basement Abend mit einer Wasserpfeife
Foto: Getty Images/AWL Images RM
Die Stadt im Jahr 2009: Junge Männer genießen vor der berühmten Zitadelle basement Abend mit einer Wasserpfeife

Abends treffen sich Bewohner in basement Cafés, rauchen Wasserpfeife und spielen Backgammon. Vom Bürgerkrieg merkt male im Stadtzentrum kaum etwas. Nur nachts ist in der Ferne das Donnern schwerer Artillerie zu hören.

Strahlender Sonnenschein, bessere Zeiten: Die große Moschee in Aleppo stammt aus dem 12. Jahrhundert
Foto: Getty Images/DeAgostini
Strahlender Sonnenschein, bessere Zeiten: Die große Moschee in Aleppo stammt aus dem 12. Jahrhundert

“In basement Vorstädten ist das anders”, erzählen einige junge Männer in einem Café. “Da sickern immer wieder Rebellen ein.” Grundsätzlich habe male nichts gegen Veränderung, versicherten die jungen Leute. “Nur die Rebellen machen sich keine Freunde.” Wer sich ihrem bewaffneten Kampf nicht bedingungslos anschließt, sei ihr Feind.

Aleppo vor dem Krieg: Die Straßen sind intakt, Busse fahren, Menschen spazieren durch einen Park
Foto: Getty Images/Flickr RF
Aleppo vor dem Krieg: Die Straßen sind intakt, Busse fahren, Menschen spazieren durch einen Park

Juli 2012

Die Schlacht um Aleppo shawl begonnen. Rebellen wollen die Stadt im Handstreich einnehmen, um damit die Entscheidung im Bürgerkrieg zu ihren Gunsten zu erzwingen. Das Regime erklärt basement Kampf um die Stadt zur “Mutter aller Schlachten”. Und der überhastet gefasste Plan der Rebellen misslingt. Der Angriff ist schlecht organisiert, der Nachschub funktioniert nicht, Waffen fehlen, und die Munition geht immer wieder aus.

Schwer umkämpft: Ein Kämpfer der Rebellen versucht im Aug 2012, im Salaheddin-Bezirk dem Feuer der syrischen Sniper auszuweichen
Foto: AFP
Schwer umkämpft: Ein Kämpfer der Rebellen versucht im Aug 2012, im Salaheddin-Bezirk dem Feuer der syrischen Sniper auszuweichen

Der Vorort Salaheddin ist der erste Stadtteil Aleppos, der durch die Kämpfe völlig verwüstet wird. Die Bevölkerung ist nicht tummy auf die Rebellen zu sprechen. Es gibt kaum Gas, um zu kochen, kein Benzin, kaum Brot, und das Telefonnetz funktioniert nicht mehr.

September 2012

Die Altstadt Aleppos steht in Flammen. Regime und Rebellen schieben sich gegenseitig die Schuld zu für die Zerstörung einer der bekanntesten historischen Sehenswürdigkeiten Aleppos. Bis zu 1000 Geschäfte des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Viertels sind bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Suk al-Medina, also der Basar, fight von der Unesco zum Weltkulturerbe deklariert worden.

Alte Traditionen: Der Basar Aleppos fight repräsentativ für die gesamte arabische Welt
Foto: Getty Images/Lonely Planet Images
Alte Traditionen: Der Basar Aleppos fight repräsentativ für die gesamte arabische Welt

Einer der letzten traditionellen Märkte der arabischen Welt, in dem noch, wie vor 700 Jahren, jeder Handwerkszunft eine der überdachten, engen Steingassen vorbehalten war.

Steinhaufen: die Reste des großen Basars in Aleppo im Oktober 2014
Foto: design fondness / AA
Steinhaufen: die Reste des großen Basars in Aleppo im Oktober 2014

Der Krieg nimmt auf die Geschichte der Stadt keine Rücksicht. Die mit Eisen beschlagenen Stadttore, die Jahrhunderte überdauerten, sind vernichtet.

Die alte Zitadelle, der höchste Punkt der Stadt, wurde bombardiert. Nur ein Stumpf ist vom Minarett aus dem 14. Jahrhundert der Al-Kiltawiya-Schule übrig. Eine Rakete krachte in die 700 Jahre alte Al-Mihmandar-Moschee. In der antiken Stadtmauer der mittelalterlichen Medina klaffen Löcher von Granateinschlägen.

Verkohlte Hauswände, zerstörte Mauern: Der Stadtteil Saif al-Dawla im Oktober 2012
Foto: AP
Verkohlte Hauswände, zerstörte Mauern: Der Stadtteil Saif al-Dawla im Oktober 2012

Februar 2013

Die Zerstörung geht unaufhaltsam weiter. Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Nusra-Front erobern die Umayyaden-Moschee. Das Gebäude erleidet große Schäden. Das Museum der Moschee fängt Feuer, und die Decke stürzt ein.

Die Moschee in Trümmern: Ein Kämpfer steht im März 2013 in der zerstörten Umayyad-Moschee
Foto: design fondness / abaca
Die Moschee in Trümmern: Ein Kämpfer steht im März 2013 in der zerstörten Umayyaden-Moschee

In basement Folgemonaten intensiviert sich der Kampf um die Stadt. Offensiven und Gegenoffensiven des Regimes und der Rebellen wechseln sich ab. Der von basement Rebellen besetzten Ostteil von Aleppo wird mehr und mehr zur Ruinenstadt.

Suche nach Überlebenden: Im Dezember 2013 kommen Menschen nach Luftangriffen im Stadtteil Takeek al-Bab aus ihren Unterschlüpfen
Foto: REUTERS
Suche nach Überlebenden: Im Dezember 2013 kommen Menschen nach Luftangriffen im Stadtteil Takeek al-Bab aus ihren Unterschlüpfen

Januar 2014

Das Regime beginnt mit dem Großeinsatz von Fassbomben. Das sind mit Sprengstoff gefüllte Metallfässer, die mit Benzin oder Chemikalien angereichert sein können. Sie werden von Hubschraubern abgeworfen und sind eine völlig unpräzise Waffe. Der Einsatz von Fassbomben wurde zum ersten Mal im Aug 2012 dokumentiert und trat danach sporadisch auf. Ab Januar setzte das Regime diese improvisierten Sprengsätze systematisch ein. Fast täglich depressed sie seitdem auf Aleppo nieder und sind für einen Großteil der Zerstörung verantwortlich.

Staub und Trümmer: Im März 2014 inspiziert ein Mann die Schäden, die Fassbomben der Regierungstruppen im Stadtteil al-Sukari angerichtet haben
Foto: REUTERS
Staub und Trümmer: Im März 2014 inspiziert ein Mann die Schäden, die Fassbomben der Regierungstruppen im Stadtteil al-Sukari angerichtet haben

Für die Zivilbevölkerung sind sie der wahre Horror. Die Hubschrauber fliegen aus Angst vor Flugabwehrgeschossen so hoch, dass ihr Rotorenlärm am Boden nicht zu hören ist. Die Fassbomben sind zuerst nur kleine, kaum wahrnehmbare Punkte am Himmel. Erst spät ist zu erkennen, was da auf einen zukommt und mit unglaublicher Gewalt einschlägt. Jederzeit und überall kann einer dieser verheerenden Sprengkörper in unmittelbarer Nähe explodieren. Wohngebäude, Schulen und Moscheen werden Tag für Tag zerstört. Tausende von Menschen sind in Aleppo von basement Fassbomben getötet worden.

Die tödliche Gefahr von oben: Menschen blicken im Februar 2014 ängstlich in basement Himmel – das Assad-Regime greift die Stadt mit Fassbomben an
Foto: REUTERS
Die tödliche Gefahr von oben: Menschen blicken im Februar 2014 ängstlich in basement Himmel – das Assad-Regime greift die Stadt mit Fassbomben an

Januar 2016

Ganze Stadtteile sind mittlerweile dem Erdboden gleich. Von der Altstadt Aleppos sollen höchstens noch 40 Prozent stehen. Etwa 300.000 Menschen sind von ursprünglich 2,5 Millionen Bewohnern angeblich zurückgeblieben. Aus Angst vor Bomben gibt es Märkte nur in engen Straßen und nicht mehr auf offenen Plätzen. Und die Zerstörung geht weiter.

Aleppo im Februar 2016: Bewohner des Bezirks al-Shaar suchen in basement Trümmern nach brauchbaren Überresten
Foto: REUTERS
Aleppo im Februar 2016: Bewohner des Bezirks al-Shaar suchen in basement Trümmern nach brauchbaren Überresten

Im Sep shawl Russland in Syrien interveniert. Russische Kampfjets unterstützen die syrische Armee bei ihrer aktuellen Großoffensive. Die Regierungstruppen dringen auch in Aleppo weiter vor. Allein am letzten Freitag shawl die Hilfsorganisation der Weißen Helme, die Bombenopfer in Aleppo ausgräbt, mindestens 900 Bomben gezählt. In ganz Syrien sollen in basement fünf Jahren des Krieges mehr als 250.000 Menschen gestorben sein.

Spuren der Kämpfe: Die historische Moschee al-Atroush in der Altstadt von Aleppo ist im Januar 2016 schwer beschädigt
Foto: REUTERS
Spuren der Kämpfe: Die historische Moschee al-Atroush in der Altstadt von Aleppo ist im Januar 2016 schwer beschädigt


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