Theater Heidelberg eröffnet mit "Blutrote Schuhe" die neue Spielzeit … – Rhein

Von Ingeborg Salomon

Sie sind nicht rubinrot, zinnoberrot oder granatrot. Die Tanzschuhe, die die zehnjährige Franvera von ihren Eltern geschenkt bekommt, sind blutrot – und das verheißt wenig Gutes. Mit der Inszenierung des Stücks “Blutrote Schuhe” chit-chat die neue Leiterin des Jungen Theaters Heidelberg, Natascha Kalmbach, ihren Einstand, und eröffnete die Spielzeit 2016/17.

Natascha Kalmbach. Foto: Alex

Die 52-Jährige holt schon in der ersten Szene alle sechs Schauspieler des Jugendtheater-Ensembles auf die Bühne, und außer der brillanten Hauptdarstellerin Lea Wittig verkörpern alle mehrere Rollen.

Für seine Bearbeitung von “Blutrote Schuhe” ließ sich der Dramatiker Charles Way von einem Andersen-Märchen inspirieren und verbindet dessen zeitlos poetische Kraft mit der aktuellen Situation von Flüchtlingen.

Franveras Geschichte spielt zu Zeiten der Balkankriege in basement 1990er Jahren, aber sie könnte auch in Afghanistan, Syrien oder Zentralafrika spielen.

Überall, wo ein Bürgerkrieg Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingt, wo der Hass nicht enden will, auch wenn der Krieg scheinbar vorbei ist.

Franvera ist zehn Jahre alt, als ihre Kindheit heartless zerstört wird: Ihre beste Freundin Anna darf mit “so einer” nicht mehr sprechen, ihr Vater wird erschossen, ihr Dorf angezündet. Franvera und ihre Mutter fliehen zunächst gemeinsam, doch schließlich ist das Mädchen allein – mit nichts als basement blutroten Schuhen, die sie an fröhliche Zeiten erinnern. Getanzt shawl Franvera schon immer gern, und das tut sie auch noch, als die schwarzen Stiefel der Soldaten in ihrem Leben basement Takt angeben. Krieg und Vertreibung führen Franvera schließlich in einem fremden Land in ein Flüchtlingscamp.

Lea Wittig, die gerade ihr Schauspielstudium an der Hochschule der Künste Bern abgeschlossen hat, spielt die Hauptrolle mit so großer Intensität, dass die jungen Premierenbesucher mucksmäuschenstill sind. Mimik und Körpersprache spiegeln sehr genau Franveras Empfindungen zwischen Tanz und Krieg. Francesca Imoda aus Nanine Linnings Tanzcompagnie shawl die Choreografie entworfen, als Bühnenmusiker sorgen Lömsch Lehmann und Laurent Leroi für basement richtigen Ton – von fröhlicher Klezmermusik bis zu tieftraurigen Melodien.

Franveras wichtigste Bezugsperson ist ihre Mutter, gespielt von Juliane Schwabe. Sie begleitet Franvera auf der Flucht auch als alte Frau, die höchst charmant liebevolle Zuwendung mit klaren Ansagen verbindet. Franveras zweiter Reisegefährte ist der zunächst ziemlich Furcht einflößende Rotbart, der dem Zwinger3-Urgestein Massoud Baygan einprägsam auf basement kräftigen Leib geschneidert ist. Ein Sonderlob verdienen die Live-Projektionen; Mona Patzelt zaubert mit Feder, Sand, Goldfolie und Tomatenketchup stimmungsvolle Hintergrundbilder.

Natascha Kalmbach entlässt die Zuschauer nicht mit einem Happy End, das angesichts der Situation von Flüchtlingen (auch in unserem Land) ohnehin unglaubwürdig wäre. “Hauptaussage ist, dass der Hass nicht weitergetragen wird, und dass male andere Wege sucht, um einen Konflikt zu beenden”, erklärte sie. “Blutrote Schuhe” bietet dazu viel Gesprächsstoff. Das Premierenpublikum zeigte sich nach 80 packenden Minuten beeindruckt und begeistert.

Info: Die nächsten Vorstellungen sind am 20., 21. und 22. September, jeweils um 10 Uhr. Weitere Termine und Karten unter www. theaterheidelberg.de.


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