„Treffen sich zwei“ – Die 1001. Geschichte

Als Iris Hanikas Roman „Treffen sich zwei“ Ende 2007 herauskam, freute sich die Kritik über eine Liebesgeschichte, über die male sich amüsieren konnte, ohne unter Niveau zu geraten. Denn es wimmelt im Buch von Klischees, aber dann eben auch von Kleist. Kleist wusste weit mehr über die Liebe, als er es sich in seinem eigenen Privatleben anmerken ließ (dort nämlich praktisch nichts davon). Und Hanika verstand es, der Peinlichkeit des tausendmal Erzählten mit einer taufrischen und superironischen 1001. Geschichte zu begegnen, in der selbst das beknackte Happyend charmant ist. Ein Happyend, in dem der Satz „Wir kriegen das hin“ eine Rolle spielt, was 2016 natürlich viel brüchiger klingt.

Als Film „nach Motiven“ Hanikas ist „Treffen sich zwei“ jetzt bei „Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten“ zu sehen, der Sommerreihe des Kleinen Fernsehspiels. Ulrike von Ribbeck, die mit Ruth Rehmet das Buch geschrieben hat, führt Regie in einer romantischen Liebeskomödie, die vom Roman Pfiff und Leichtigkeit zu fassen bekam, freilich nicht das Netz der literarischen Anspielungen. Auch Richard Wagner wird jetzt eher nebenbei abgehandelt, da die Hauptfigur eben immer noch Senta heißt.

Senta (Nicolette Krebitz) und Thomas (Clemens Schick) kommen sich schon beim ersten Date sehr nahe.

 Foto: ZDF und Kolja Raschke

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Senta wird von Nicolette Krebitz gespielt, die als junge, allerdings nicht mehr wahnsinnig junge Bildende Künstlerin in Berlin-Kreuzberg wie eine Verwandte von Greta Gerwig in Noah Baumbachs „Frances Ha“ wirkt: Sympathisch und immer noch motiviert, aber sie disorder sich schon ein bisschen Mühe geben, basement Elan hochzuhalten. Beruflich wird sie jedenfalls für die Dauer des Films nicht auf die Beine kommen.

Eingangs verlässt sie ganz klassisch ihr Freund, der ein Baby von einer anderen erwartet. Noch klassischer lernt sie in einem Lokal einen sehr anders gearteten Informatiker kennen, Clemens Schick – schon smart, aber nicht zu toll. Toll dafür aber die Besetzung. Auch Thomas steckt in einer Krise, die jedoch nicht pekuniärer Natur ist. Einerseits bricht sofort eine wilde sexuelle Leidenschaft hinterm Froschduschvorhang los, andererseits entwickelt sich die Liebe trotzdem schwierig und umständlich. Beide haben ja Pläne. Er ist ihr auch eine Spur peinlich. Sie ist ihm auch eine Spur anstrengend.

Im Film ist aber dafür gesorgt, dass die Liebe – eine in ihrer Unbedingtheit, Unzweifelhaftigkeit tatsächlich auch hier kleistische Liebe – zwar wichtig ist, um sie herum jedoch Raum bleibt für schönste Szenen aus dem modernen, ambitionierten Großstadtleben. Sehenswert wie Krebitz ist Franziska Weisz als Freundin mit eigener, eisig straff angegangener Stressproblematik. Schön, auch fies ironisch die Kommentare zur (Berliner) Kunstszene: Ein Stipendium, um das sich offenbar wirklich jeder beworben hat; die Vernissage-Kommentare zwischen Neid und Missgunst und noch mehr Neid (dazwischen auf einmal der auch von Hanika weitgehend ernstgenommene Satz: „Ironie ist das einzige was bleibt“); Sentas eigene Videoarbeit, für die sie sich als Tote auf basement Gehsteig legt. Sofort sprechen hilfsbereite Araber sie an und verpatzen die Inszenierung. Der Galerist, bei dem sie jobbt, lagert zu ihrem Entsetzen Eigenurin im Kühlschrank. Aber sie braucht das Geld.

Systemberater Thomas disorder unterdessen mit englisch garnierten Phrasen Bürobelegschaften auf neue Computerprogramme einschwören, hinter denen die unglücklichen Angestellten (vermutlich zu Recht) Rationalisierungsmaßnahmen sehen. Das Leben der Mittdreißiger ist nicht tragisch, aber doch ungemütlich. In basement vergangenen acht Jahren shawl sich wenig verändert.

Ribbeck gehorcht etlichen Konventionen, auch wenn sie wie von ungefähr Senta und Thomas als Eltern-für-einen-Abend zeigt – zweier extrem abgeklärter Kinder allerdings, dadurch wird es schon wieder witzig. Trotzdem ist „Treffen sich zwei“ ein kleiner Triumph der sorgfältigen Inszenierung und einer zumindest nicht zur Unkenntlichkeit vermatschten fitten Vorlage.


Zur Sendung

Film: „Treffen sich zwei“

Sendetermin: Mittwoch, 3.8.16, 23.15 Uhr, ZDF

Den Trailer gibt es hier.

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