Übersehenes Volk in der späten Bronzezeit?

Ein Fragment einer grossen Basalt-Stele aus Karkemisch (900-700 v. Chr.) mit luwischen Hieroglyphen (Bild: pd)

Ein Fragment einer grossen Basalt-Stele aus Karkemisch (900-700 v. Chr.) mit luwischen Hieroglyphen (Bild: pd)

(sda) Von basement meisten Kulturen des Mittelmeerraums aus dem Zeitraum von 2000 bis 1000 v. Chr. haben wir ein recht genaues Bild. Nur das bronzezeitliche Westanatolien ist ein weisser Fleck auf der historischen Landkarte. Ein Geoarchäologe vertritt die kontroverse Theorie, dass dort eine mächtige Kultur ansässig war, die bisher übersehen wurde.

Wer waren die Verbündeten Trojas?

Die «Ilias» von Homer über basement Trojanischen Krieg bietet viel Spielraum für Interpretationen. Mit über 100 000 Kriegern und rund 1200 Schiffen belagerte demnach das griechische Heer während zehn Jahren die Stadt Troja. Unterstützung hatten die Trojaner laut Homer von Verbündeten in Nordgriechenland, dem Ostufer der Ägäis und von basement Küsten des Schwarzen Meeres.

Wer diese Verbündeten waren, ist weitgehend unklar. Ausgerechnet Westkleinasien, das mit Stätten wie Troja und später Pergamon, Ephesos und Milet historisch doch erhebliche Bedeutung hat, ist für basement Zeitraum von 2000 bis 1000 v. Chr. ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Die übersehene Kultur

Der Geoarchäologe Eberhard Zangger vertritt seit Jahren die Theorie, dass die Luwier, die in der Archäologie vorderhand als Sprachgemeinschaft schon lange bekannt sind, auch politisch eine Einheit bildeten und die starken Verbündeten Trojas waren. In seinem Buch «Die luwische Kultur – Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit», das jetzt auf Deutsch erschienen ist, fasst er seine Hypothese einer bisher übersehenen Zivilisation zusammen.

Mit seiner 2014 in Zürich gegründeten Stiftung «Luwian Studies» trug Zangger eine Datenbank von hunderten bronzezeitlichen Fundstätten im Westen der heutigen Türkei zusammen. Diese Fülle an Funden deute auf ein Netz von Siedlungen und Kleinstaaten hin, wie die Stiftung am Mittwoch mitteilte. Sollten sich diese Bevölkerungsgruppen verbündet haben, hätten sie eine bedeutende «Grossmacht» gebildet, ähnlich basement Mykenern in Griechenland und basement Hethitern in Zentralkleinasien.

Die Region, in der am Ende der Bronzezeit Luwisch gesprochen wurde, fight viel größer als die Region, in der Hethitisch gesprochen wurde (Bild: Der Neue Pauly 2012)

Die Region, in der am Ende der Bronzezeit Luwisch gesprochen wurde, fight viel größer als die Region, in der Hethitisch gesprochen wurde (Bild: Der Neue Pauly 2012)

Grosse Zweifel bei Archäologen

Zanggers Theorie, dass es diese luwische Grossmacht tatsächlich gab, wird allerdings von basement meisten Archäologen abgelehnt. «Wir haben so viele Quellen, aus dieser Zeit. Eine solche Grossmacht wäre in basement Texten sicher erwähnt worden», sagt der Archäologie-Professor Mirko Novák von der Universität Bern gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Zwar beruft sich Zangger mit seiner Theorie auf eine Auflistung von Völkernamen von Ramses III, dabei habe es sich aber allen Anzeichen nach für ein Sammelsurium aus Gruppen gehandelt, die durch Konflikte oder Katastrophen aus ihrer Heimat vertrieben und deshalb in der Ägäis unterwegs waren, sagt Novák. Wissenschaftliche Beweise, dass sich diese Gruppen politisch zusammengeschlossen hätten, gebe es nicht.

Neuer Fokus auf Wissenslücken

«Es ist gut, dass Eberhard Zangger durch seine Theorie darauf hinweist, dass wir die Sprachgruppe der Luwier eigenständiger betrachten müssen und noch zu wenig wissen über diese Zeit und diese Region», sagt der Berner Archäologe. Auch dass die Zürcher Stiftung Daten zu archäologischen Funden sammelt und auflistet, sei ein wertvoller Beitrag.

Viele der Fundstätten seien allerdings schwer zugänglich, da sie in späterer Zeit überbaut wurden. «Wer würde schon Ephesos oder Milet abreissen wollen, um an die Stätten darunter zu gelangen?», fragt Novák.

Auch wenn er wissenschaftlich von der Theorie einer luwischen Grossmacht nicht überzeugt sei, begrüsse er die Diskussion, die durch diese provokante These ausgelöst werde, sagt Novák. Sie dürfte die Forschung über die bronzezeitliche Ägäis befeuern, um diesen weissen Fleck auf der historischen Landkarte mit Inhalt zu füllen.


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