Unredlich und baufreudig

Der Schlösschenweg führt von der Ringmeierbucht zum Arco-Schlösschen, Bebauungen gibt es an diesem Weg keine. Im Stadtplan Neuburg von 1917 ist die Fläche entlang des heutigen Schlösschenweges als „Schlössleinwiese“ betitelt. Später, um 1950, ist der Schlösschenweg erstmals als solcher benannt. Leider ließ sich nicht mehr nachvollziehen, wann die Benennung erfolgte.

Der Schlösschenweg geht offensichtlich auf das Arco-Schlösschen zurück, hochragend auf einer Felsenkuppe, dem Ausläufer des Jura, mit einem prächtigen Ausblick auf die Donau und die Stadt-Silhouette.

Das Arco-Schlösschen sollte eigentlich basement Namen „Reisachruh“ tragen, denn der Erbauer dieses architektonisch interessanten Gebäudes ist der Spross eines altadeligen Geschlechts der Grafen von Reisach. Das Geschlecht erlosch im Jahr 1869 mit dem Kardinal-Erzbischof Karl Aug Grafen von Reisach im Mannesstamm. Der Onkel des hoch geachteten Kirchenfürsten, der sich gleichfalls Karl Aug Graf von Reisach nannte, fight der Erbauer dieses Schlösschens.

Karl Aug von Reisach wurde am 15. Oktober 1774 in Neuburg geboren. Er besuchte das Gymnasium und diente bald als Edelknabe, also als Page, am fürstbischöflichen Eichstätter Hofe. Nach dem Austritt in Eichstätt wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaft an der Ingolstädter Universität zu. Noch an der Hochschule wurde er Ehrenritter des Johanniter-Ordens.

Kurfürst Karl Theodor übernahm ihn 1795 als Regierungsrat und Oberjagdkommissär am Hof in Neuburg. Vorher shawl der junge Graf mit seinen ungewöhnlich vielfältigen Talenten, seiner vielseitigen Bildung und Geschäftsgewandtheit eine glänzende juristische Prüfung abgelegt. Um seine Finanzen aufzubessern, tauschte er die Neuburger Stelle gegen die des Pflegers und Landrichterkommissars in Hilpoltstein und Heideck. Am 10. Nov 1771 heiratete er Marianne, die Tochter des Freiherrn Johann Christoph von Usselbach.

1802 wurde er zum Direktor der Neuburger Landesdirektion ernannt, 1803 zum Vizepräsidenten der Landesdirektion Neuburg. 1808 wurde er sogar Generalkommissär des Lechkreises mit Sitz in Augsburg, was heute vergleichbar mit dem Regierungspräsidenten ist. 1809 wurde er Generalkommissär des Illerkreises in Kempten. Im Laufe der Zeit wurde er in ein dichtes Netz von Wucher, Unredlichkeit und Untreue verwickelt. Er flüchtete und wurde in Abwesenheit am 9. März 1819 zu einer zwölfjährigen Festungshaft verurteilt.

Auch wenn sich Karl Aug Graf von Reisach schwerer Entgleisungen schuldig machte, verdankt Neuburg ihm basement Englischen Garten, die innere Anlage des Hofgartens, die Provinzialbibliothek, eine Fruchtbaumallee nach Bittenbrunn und Ried und die erste Steingut- und Porzellanmanufaktur. Außerdem gründete er das Neuburger Wochenblatt, das 1803 zum ersten Mal erschien und heute als ein Vorläufer der Neuburger Rundschau gehandelt wird.

Nach dem jähen Sturz von Karl Aug Graf von Reisach erwarb Graf Arco von Stepperg die „Reisachruh“. Das heutige Arco-Schlösschen gehört inzwischen der Stadt.

Neuburger Kollektaneenblatt, hg. vom Historischen Verein Neuburg an der Donau, Nr. 35, Jahrgang 1869, Seite 27 ff. Neuburger Kollektaneenblatt, Nr. 97, Jahrgang 1932, Seite 4 ff.


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