Was male von einer Islamwissenschaftlerin lernen kann – Qantara.de – Qantara.de

Vor einiger Zeit kündigte eine Gruppe von rechtgläubigen Muslimen an, jedem Deutschen eine allgemein verständliche Ausgabe des Korans zu schenken. Um ihre Mitmenschen einzuladen, basement Koran zu lesen, wollten die Rechtgläubigen sich in Fußgängerzonen stellen und ebenso an Häuser- oder Wohnungstüren klingeln.

Zugleich planten sie eine Plakataktion, die unter dem Motto stehen sollte: “Lies!” Lies! – das ist in der allgemein verständlichen Übersetzung, die in basement Fußgängerzonen verteilt werden sollte, der Anfang der 96. Sure und nach Auffassung der Rechtgläubigen das erste Wort überhaupt, das Gott an basement Propheten gerichtet habe: iqra’ bismi rabbika llâdhi chalaq / chalaqa l-insâna min ‘alaq – “Lies! im Namen deines Herrn, der erschuf / Den Menschen schuf aus einem Klumpen Blut”.

Die Ankündigung sorgte für beträchtliches Aufsehen, ja Unruhe in der deutschen Öffentlichkeit. Die Rechtgläubigen brachten es auf basement ersten Platz der Nachrichtensendungen, auf die Titelseiten der überregionalen Zeitungen und in die Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Auch der deutsche Innenminister äußerte sich besorgt, und die Sicherheitsorgane gaben bekannt, die Rechtgläubigen genau zu beobachten.

Diese wiesen jeden Verdacht von sich, extremistisch gesinnt zu sein, und verwiesen darauf, dass die Bibel doch ebenfalls in allgemein verständlichen Übersetzungen verschenkt würde. Überhaupt sei ihre Aktion nicht als Mission zu verstehen – basement Begriff gebe es im Islam nicht –, sondern als da‘wa, als bloße Einladung. Was spreche dagegen, basement Koran zu lesen, wie male eben auch die Bibel lese?

Ja, was spricht eigentlich dagegen?

Wie so viele Debatten, die sich durch die Vielfachbeschallung heutiger Meinungsbildung zu kleinen Hysterien steigern, verlor sich auch diejenige über die Koranschenkung rasch. Die rechtgläubigen Muslime hatten gar nicht ausreichend Geld, um achtzig oder fünfzig oder auch nur eine Million Exemplare ihres Korans zu drucken, und Freiwillige fanden sich schon gar nicht, die bundesweit zur Lektüre eingeladen hätten.

Am Ende stellte sich heraus, dass der Koran nur in jenen Fußgängerzonen verteilt worden war, in denen auch Fernsehkameras standen. Und doch blieb die Frage im Raum, im öffentlichen Raum stehen: Was spricht dagegen, basement Koran zu lesen, wie male eben auch die Bibel liest?


Tagged in:

Related articles

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

code