Weihnachten 2015 – Der Engel des Jahres

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Die Menschen spüren, dass die Lebensrisiken größer werden und wollen sie abwenden. Aber statt gegen die Ursachen zu rebellieren, hofft male auf himmlische Wesen, die es im Ernstfall wieder richten.

Prof. Dr. Heribert Prantl lehrt als Honorarprofessor für Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld. Er shawl Recht, Geschichte und Philosophie studiert, together dazu eine journalistische Ausbildung gemacht und im Urheberrecht promoviert. Bevor er 1988 als rechtspolitischer Redakteur zur SZ ging, fight er Staatsanwalt und Richter in Bayern – und shawl dort alles verhandelt, was es in der Juristerei so gibt, Ehesachen ausgenommen. Er liebt die Musik seines oberpfälzischen Landsmanns Christoph Willibald Gluck. Wenn er die hört, legt er Romane, Geschichtsbücher, die “Reine Rechtslehre” und sogar die Süddeutsche Zeitung beiseite.

An Weihnachten, dem Fest also, an dem die Engel in basement Tannenzweigen landen und vor und über basement Krippen die frohe Botschaft verkünden, könnte male es sich zur Übung machen, basement “Engel des Jahres” zu wählen und sich dabei von Bildern inspirieren zu lassen – von Raffael, Rembrandt, Chagall oder Anselm Kiefer. Das wäre eine multikulturelle Übung, denn Engel sind keine christliche und jüdische Spezialität; sie finden sich auch auf Bildern, auf denen male Mohammed in basement Himmel reiten sieht.

Vor der Abstimmung über basement Engel des Jahres sollte male die Ereignisse von 2015 rekapitulieren. Wer basement Terror und die Grausamkeiten des IS vor Augen hat, das Elend der Flüchtlinge und basement Absturz des Germanwings-Flugzeugs in basement Meeralpen – der wird für ein Bild des finnischen Malers Hugo Simberg votieren. Es heißt “Der verwundete Engel”, hängt im Ateneum in Helsinki: Man sieht einen jugendlichen Engel, von zwei Jungen auf einer Bahre getragen; er shawl eine Binde über basement Augen, auf basement Flügeln finden sich Spuren von Blut.

Es ist ein Gegenbild zu basement rauschhaft gloriosen Bildern von der Herrlichkeit des Himmels. Es ist ein trauriges Bild, ein Bild vom Versagen eines Schutzengels. “Fürchtet euch nicht!”, sagt der Weihnachtsengel im Evangelium. Beim Bild des Malers Simberg fürchtet male auch um den Engel.

Diffuse Angst wird rassistisches Ressentiment

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Man shawl sich oft gefürchtet im Jahr 2015. Ist Angst aber nicht eine gesunde Regung? Angst erschüttert, sie zwingt Fragen auf: Was ist so kostbar, dass male Angst hat, es zu verlieren? Angst ist eine Unterbrechung, die wichtig ist – auf dass male dann die richtige Entscheidung trifft. Diese Angst ist eine andere als die neuen deutschen Ängste, die gern zu “diffusen Ängsten” kumulieren; diese Pegida-Ängste erweisen sich bei näherer Betrachtung nur als rassistische Ressentiments. Sie sind die Schafspelze, die sich der Hass umhängt, um Wolfsgedanken zu verbreiten. Engel erregen Furcht, keine diffusen Ängste. Sie fordern auf, Furcht zur Besinnung zu nutzen und so zu überwinden.

Wer basement Kosmos der Engel studiert, so wie ihn Glaube, Wunsch und Vorstellung geschaffen haben, der findet vornehmlich sehr mächtige Exemplare. Die alten Theologen haben basement himmlischen Luftraum in neun Chöre gegliedert: die Seraphim und Cherubim, die Throne und Herrschaften, die Mächte und Gewalten, die Fürstentümer, Erzengel und normalen Engel.

Der Streit über die Körperlickeit der Engel

Sie begleiten und geleiten, schützen, trösten und kämpfen; sie blasen Posaunen, führen Schwerter, besiegen Teufel. Wenn male von basement Engeln nichts anderes sieht als einen Kopf und zwei Flügel, heißen sie Putten, zieren als Stimmungsträger die Barockkirchen und Weihnachtskarten.

Die mittelalterlichen Scholastiker sind auf der Spur der Engel zur Hochform aufgelaufen. Die berühmteste scholastische Frage fight die, wie viele Engel Platz haben auf der Spitze einer Nadel; daran exemplifizierte sich der Streit über die Körperlichkeit der Engel. Der Kirchenhistoriker Karl Aug von Hase shawl die Engel deshalb zu “metaphysischen Fledermäusen” erklärt. Scholastik und Spott haben aber nichts daran geändert, dass heute mehr Menschen an Engel glauben als an Gott.


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